Cold War

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„Cold War“ ist toll, mehr muss man eigentlich nicht sagen. Es ist ein großer kleiner Film, eine Liebesgeschichte im Kalten Krieg.

Ein Film über zwei verschiedene Welten, die alles erdrückende Sowjetunion auf der einen und der fluffig-freie Westen auf der andere Seite; ein Film über zwei Lebensentwürfe und eine persönlich-private Auseinandersetzung mit dem eisernen Vorhang.
Auf der einen Seite steht die bäuerliche Gloria Warschaus, auf der anderen die melancholische Jazz-Romantik Paris‘. Mittendrin befindet sich, in einer Schlüsselszene des Films, das zerbombte Berlin, der Ort, an dem sich historisch der Konflikt zweier Supermächte entfachen wird; hier nur Transit vom vertraut-beengten Osten in den beängstigend-weiten Westen. Der Schritt vom Zwang des Systems in das System des Zwangs.
Der Systemkonflikt, das politische, gerät bei diesem Film augenscheinlich in den Hintergrund, es erscheint unwichtig und klein vor dem menschlichen Drama, bleibt aber doch stets präsent, nie kann der Kitsch der Sphäre des Realen entrinnen.
Der Blick auf beide Welten, Polen und Frankreich, ist dabei gleichermaßen verklärend wie andeutend-abgründig. Das vereinende und zugleich trennende Element ist die Musik, in Polen rustikal-volkstümlich, in Frankreich verjazzt kosmopolitisch.
Es ist somit ein Film über Privates und Kunst, aber eben auch immer ein Film über Systeme. Der Autoritarismus ist ein Übel, ein Übel aber, das zugleich Halt und Überschaubarkeit bietet, die Euphorie des Homogenen. Der Liberalismus bietet Freiheit und Ästhetik, eine aufregende Ungewissheit, aber auch eine niederschmetternde Unsicherheit und eine resignierende Tristesse des gewöhnlichen.
In exquisiten Schwarz-Weiß-Bildern erzählt Regisseur Pawlikowski nun eine persönliche Geschichte, die sich des politischen entzieht und doch stets hochpolitisch ist, zeitlos Romantik und ein wieder aktueller Systemkonflikt.
Ein großer europäischer Film, der den Konflikt zweier widerstreitender Ideen aus der Sicht des Künstlers verhandelt. Kunst wird dabei nicht als etwas verklärt, dass alle Grenzen transzendiert; sie bleibt in ihrer Form auch ein Produkt der Lebensumstände unter denen sie entstand.
Gleichwohl aber wirkt die Kunst aber über Grenzen hinweg, in ihrem Wirken vereint sie Individuen beider Systeme. Und sie ist „Cold War“ eine große zeitgenössische und doch zeitlos gültige Geschichte vom Menschlichen.

8.0 von 10.0

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