X-Men Dark Phoenix

„X-Men Dark Phoenix“ ist es also. Der Abschluss der Reihe, dass Finale der langlebigsten Superheldengeschichte unserer Zeit. 19 Jahre Höhen und Tiefen sollen in diesem Film einen Abschluss finden, ein Urgestein des Blockbusterkinos des aktuellen Jahrtausends wird zu Grabe getragen. Und nach dem Totalausfall, den Simon Kinberg hier auf die Leinwand donnert, kann man nur sagen: Zum Glück ist es vorbei.
Das ist besonders deshalb fatal, weil die „X-Men“ auch zu den interessantesten Franchises unserer Zeit gehörten. Die Reihe erwies sich so wandelbar wie kaum eine andere, verkraftete qualitative Tiefpunkte und nach jedem dieser erklomm sie auch neue Höhepunkte. Mit „Dark Phoenix“ erreicht sie nun ihren niedrigsten Punkt und das liegt auch daran, dass es nichts mehr zu erzählen gibt. „Zukunft ist Vergangenheit“ schenkte den Mutanten bereits ein rundes Ende, „Logan“ wiederum trug seinen Helden poetisch-blutig zu Grabe.

Vor allem aber weiß „Dark Phoenix“ auch nichts mit seiner Geschichte, die prinzipiell Potential hat, anzufangen. Der Film erzählt wieder einmal von männlichem Weltschmerz, statt von feministischer Revolte, wie zu erwarten gewesen wäre. Wieder einmal darf die Garde der Gebrochenen auffahren, die Ältesten der Außenseiter dürfen ein ums andre Mal ihren Verdruss, ihre Müdigkeit zur Sprache bringen. Was in anderen Einträgen des Franchises in intensiven Geschichten von Männern und Monstern, männlicher Hybris und melodramatischem Schmerz mündete, ist in „Dark Phoenix“ vor allem ein schleppendes und erschreckend langweiliges Nichts. Die Phrasen vom immer währenden Mutantenleid sind so hohl wie nie; sie werden lustlos vorgetragen von einer Garde an Darstellern, die einst wusste nur mit Blicken zu fesseln.

Doch der Film vertraut seinem Ensemble nicht mehr. Wo in „Zukunft ist Vergangenheit“ und vor allem „Logan“ noch jede kleine Geste wichtig war, wo den Darstellern Raum gegeben wurde um ihre Szenen selbst zu tragen, wo Dialoge auch noch Nuancen hatten und auch Dinge unausgesprochen bleiben dürften, da will „Dark Phoenix“ lediglich auf große Ganze hinaus, erstickt seine Charaktere und Darsteller mit einem pathetischen Hans Zimmer Soundtrack, substituiert nuanciertes Schauspiel und die subtilen Gesten mit eben jenem.

Noch nie hat man die Riege der „X-Men“ so unterfordert gesehen. In diesem Film muss alles ausgesprochen werden, es darf nichts mehr nur im Raum stehen bleiben. Was nicht zur großen Geste gemacht werden kann, darf nicht mehr sein. So verpasst aber Simon Kinberg zugleich die wirklichen großen Gesten, so verpasst er auch jene Räume zu schaffen, in denen neues und aufregendes entstehen könnte. Es bleibt ein „X-Men“ Film, der stockkonservativ ist, der keine Ambitionen hat und der weder seinen Darstellern noch seinen Figuren vertraut. Charaktere haben in „Dark Phoenix“ keine intrinsische Motivation mehr, stattdessen gibt es für jede Handlung eine passend motivierende Plot Device. Das Drehbuch des Films wirkt teilweise nach dem Muster verfasst, dass man die Szenen des Films möglichst einfach mit zwei bis drei Headwords beschreiben und dadurch schnellstmöglich bei YouTube finden kann.

Es ist ein kreativer Reinfall, ein Stück Kinogeschichte das eindrucksvoll zeigt, wie nach Triumphen immer ein tiefer Fall folgen kann, das zeigt, dass es wirklich besser ist, dann aufzuhören, wenn es am schönsten ist und obendrein ist es auch noch ein ausgesprochen hässlicher Film. Man müsste einen Oscar für die hüftsteifste und undynamischste Regie einführen, dann könnte dieser Film wirklich groß abräumen.
Die „X-Men“ haben mit ihren Ecken und Kanten immer einen nötigen und zu meist auch künstlerisch wertigeren Gegenpol zum Hochglanz-TV des MCU dargestellt.

Nun muss man aber leider sagen: Wo das MCU zumindest durch seine serielle Erzählstruktur besonders fleißige Zuschauer fürs regelmäßige Einschalten belohnt, bestraft „Dark Phoenix“ jeden, der in diese Reihe emotional investierte.

3.0 von 10.0

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