Aladdin

Disney hat mit „Die Schöne und das Biest“ eines der sinnlosesten Remakes der jüngeren Filmgeschichte abgeliefert. Einen Film, der innovations-, kreativitäts- und mutlos die Geschichte seines Originals nacherzählt. „Aladdin“ von Guy Ritchie begeht glücklicherweise nicht den Fehler, sein Original im Klein-Klein nachzuerzählen. Gut ist der Film trotzdem nicht.

Das Problem des Films ist also nicht, dass er sich sklavisch am Original langhangelt. Viel mehr ist das Problem, dass dem Film ein genuiner Stil fehlt. Guy Ritchie ist, und dass muss man unabhängig davon, wie man zu ihm steht, zugeben ein Regisseur mit einer durchaus erkennbaren Handschrift. Und eben diese fehlt „Aladdin“. Der Film verfügt weder über die dynamische, teils hyperaktive, Inszenierung anderer Ritchie Filme, ebenso fehlen ihm ausschweifende Dialoggefechte und spitzzüngiger Humor. Nun muss man sich dann schon fragen, warum Disney überhaupt einen Regisseur für einen Film einspannt, wenn dieser sowieso seiner Individualität beraubt. Beantwortbar ist das nur schwer.

Schlecht ist an Disneys „Aladdin“ natürlich nicht alles. Das Hauptdarsteller Trio, bestehend aus Will Smith, Mena Massoud und Naomi Scott liefert tolle Arbeit ab und es macht große Freude, ihnen zuzusehen. Leider bleiben die Figuren selbst über die meiste Zeit schrecklich blass und die Beziehungen zwischen den Charakteren erscheinen ob des schwachen Aufbaus wenig glaubwürdig. Auch Schurke Jafar ist ein furchtbar farbloser Bösewicht.

Was sich hier schon andeutet, zieht sich tatsächlich durch den gesamten Film: es besteht eine faszinierende Dualität zwischen Stärken und Schwächen, mit ersteren ist nämlich fast immer eine der letzteren verbunden, was letztlich verhindert, dass der Film jemals auf einem hohem Niveau stattfindet. So sind beispielsweise auch die Songs des Films Stärke und Schwäche zugleich. Will Smiths Gesangspassagen sind herrlich schwungvoll inszeniert und mit viel Pathos vorgetragen, die Prinzessin Jasmin erhält außerdem eine wunderbar emanzipatorische Gesangseinlage. Die restlichen Songs dagegen sind dröge, eintönig und nerven mehr denn irgendetwas anderes.

Was man dem Film trotz allem lassen muss, ist, dass er mächtig unterhaltsam ist. Dies liegt auch darin begründet, dass dem Film die ganze Zeit ein Jahrmarkt-Feeling anhaftet. Eben selbiges ist aber auch mitunter das größte Manko des Films. Die mehr als faszinierende arabische Mythologie wird nämlich dadurch eben des Mythos beraubt. Das Unbekannte, dass Wundern und das Fragen wird in der Luft zerrissen, alles wird klar ausbuchstabiert und lediglich zum buntest-möglichen, zuckersüßen Fluffikum reduziert. So wird der Eingang zur Höhle der wunder nicht zum beeindruckenden Geheimnis, sondern man reduziert ihn zum Auftakt einer Achterbahn aus dem Thementeil eines Freizeitparks. „Aladdin“ hat also mit Mystizismus, ja Fantasie schlechthin, wenig bis gar nichts zu tun.

Stattdessen erinnert der Film an die kleine Spielbude, die es in jeder Stadt gibt. Irgendwie sympathisch, irgendwie unterhaltsam, irgendwie auch sich vertraut anfühlend, aber letzten Endes auch stets das selbe und weder qualitativ, noch dem Portemonnaie wohltuend.

4.0 von 10.0

 

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