Game of Thrones Staffel 8 – Erste Hälfte

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Nach der sechsten und siebten Staffel „Game of Thrones“ durfte man zurecht befürchten, dass die Serie in ihrer finalen Staffel in die Mittelmäßigkeit abrutscht. Das Gegenteil ist zum Glück der Fall: in ihrer ersten Hälfte präsentiert sich die finale Staffel „Game of Thrones“ so stark wie schon lange nicht mehr. Ab hier folgen Abschnitte, die einige als Spoiler sehen könnten. Ich werde aber versuchen, mich soweit wie möglich zurückzuhalten.

Das Ende der letzten Folge mag einigen gegen den Strich gegen, und ja, es ist zu schnell, zu Deus Ex Machina und wird dem Aufbau von acht Jahren eventuell nicht ganz gerecht – doch geschenkt! Der Weg ist schließlich das Ziel und dieser ist in den ersten drei Folgen der achten Staffel „Game of Thrones“ brillant. Die erste Folge muss sich den Vorwurf des Fan Service gefallen lassen. Es passiert zu viel und zu wenig, gleichzeitig aber wird auch sehr schön auf Motive aus vorigen Staffeln zurückgegriffen und es wird ein sehr gutes Gefühl dafür vermittelt, dass sich der erzählerische Kreis nun schließt.

In der zweiten Folge unterwandert das Kreativteam geschickt Erwartungshaltungen, statt großer Ereignisse oder Plot-Wendungen gestaltet sich diese Folge ganz als Kammerspiel. Die große Schlacht steht kurz bevor und durch das quälend langsame Tempo verdeutlicht diese Episode eindrücklich die Hängepartie, in der sich die in Winterfell versammelten Charaktere befinden. Es ist eine Folge kleinerer und größerer Charaktermomente, eine Folge des furchtbaren Wartens. Eine Stunde geschickter, qualvoller Spannungsaufbau.

In der dritten Folge, dem explosiven Finale der ersten Staffelhälfte, präsentiert sich „Game of Thrones“ einmal mehr als der beste Blockbuster unserer Zeit. Miguel Sapochnik hatte sich bereits in vorigen Staffeln als versierter und effektiver Action-Regisseur erwiesen und er lässt in der aktuellsten Folge keineswegs nach. Konträr sogar: er liefert die bisher größte und beste Schlacht der Serie ab. „Game of Thrones“, und vor allem Regisseur Sapochnik, erschaffen hier in 82 Minuten etwas, was beispielsweise Marvels Avengers in 180 Minuten nicht gelingen will: packendes Spektakel zu sein, dass nicht zu spaßigem Klamauk verkommt, sondern durch gnadenlose Anspannung besticht. Natürlich profitiert die Folge enorm vom langsamen Aufbau der vorigen beiden Episoden, doch auch Sapochniks dichte und intensive Inszenierung trägt dazu bei, dass die Schlacht um Winterfell zu einem achtzigminütigen Terror-Trip avanciert, der einen völlig erschöpft zurücklässt. Natürlich ist die Folge keineswegs problemfrei: viele der Drehbuchentscheidungen sind mindestens zweifelhalft, inhaltlich ist sie ausgesprochen dünn, mit Jaime Lannister (dem interessantesten Charakter der Serie) wissen die Autoren leider nicht viel anzufangen und der geforderte Blutzoll ist zwar hoch – aber zugleich auch erstaunlich versöhnlich.

Die Stärken dieser Folge liegen also klar in der Audiovisuellen Umsetzung und dort ist sie so stark wie schon lange nichts mehr (Christopher Nolans „Dunkirk“ dürfte wohl der letzte ähnlich intensive Blockbuster gewesen sein). Sapochnik baut geschickt Spannung auf, er gibt ein hervorragendes Gefühl der Verzweiflung, der Unübersichtlichkeit und des ständigen Scheiterns. Niemand scheint mehr sicher zu sein und alles steht auf dem Spiel. Was bei Marvel und Konsorten meist nur als Prämisse dient und niemals den Weg in die Inszenierung schafft, ist bei Sapochnik das Augenmerk der Regie. Alles steht im Zeichen des Grauens, von der unwirklichen Farbgebung bis hin zum brachial-beängstigendem Sounddesign.

„Game of Thrones“ ist also in der ersten Hälfte seiner finalen Staffel weniger besonders clever erzählt – gleichwohl inhaltlich meistens solide, sondern ein packender Blockbuster. Die Serie knüpft also von der Qualität der Geschichte her nicht an die ersten fünf Staffeln an, aber sie besinnt sich auf eine andere Stärke, nämlich das packende Spektakel (genau genommen hatten Staffel Sechs und Sieben ja auch einige starke Bombast-Folgen, „Battle of the Bastards“, „Winds of Winter“ oder „The Spoils of War“, die meiste Zeit aber versuchten diese Staffeln sich als maximal unterhaltsames Unterhaltungs-Fluff). Die Serie gibt sich also nun endgültig dem Blockbuster-Da-Sein hin, aber findet darin auch neue alte Stärken.

Wertung entfällt bis zum Ende der Staffel.

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