Shazam!

Superhelden waren in den letzten Jahren wohl das dominierende Bild des Kinos und noch scheint die Faszination der Masse ungebrochen. Mit dem rasanten Aufstieg des Marvel Cinematic Universe war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Hauptkonkurrent DC mit einem eigenen Cinematic Universe an den Start gehen würde. Tatsächlich gefiel mir der Start des DC Universums sogar sehr gut, der radikale Ansatz Zack Snyders hob sich wohltuend vom glatt-geschliffenen Unterhaltungseinerlei Marvels ab. Aufgrund dürftigen Erfolgs und verheerender Kritik entschloss man sich allerdings zu einem Kurswechsel bei DC und nach desaströs-wirren („Suicide Squad“, „Justice League“), marvelisierten („Wonder Woman“) und erstaunlich oppulent-unterhaltsamen Fantasy-Quark („Aquaman“) scheint DCs Selbstfindungsprozess mit „Shazam!“ tatsächlich abgeschlossen zu sein. Die Frage ist natürlich: reiht „Shazam!“ sich nun in die Reihe standardisierter Hochglanzblockbuster ein oder kann er sich eine individuelle Seele erhalten?

Und glücklicherweise kann man den letzteren Teil der Frage bejahen. „Shazam!“ ist zwar ein hochpolierter, familientauglicher Blockbuster, behält sich aber gleichzeitig eine Verspieltheit und kindliche Freude am super-sein, die sich im teils ermüdenden Superheldenbombast der letzten Jahre rar gemacht hat. Der Film nimmt sich lange Zeit, die kindliche Gefühlswelt und das jugendliche Gemüt des Protagonisten Billy Batson auszuleuchten und macht das „Kind-Sein“ zum zentralen Element des Films. Das Spiel mit den neuen Kräften, das Entdecken von Veränderung und das Staunen über Superkräfte machen den Großteil des Films auch. Das hätte nun schnell in unangenehm pseudo-cooles und verkrampft-jugendliches hätte abdriften können, tatsächlich aber bleibt „Shazam!“ durchgehend authentisch-kindisch und dadurch efrischend-erleichtert und zugleich gefühlsehrlich. Der Film strahlt oberflächlich eine genuine Freude aus, darunter aber lassen Regisseur Sandberg und sein Team aber durchaus auch zu, dass ihre Charaktere auch eine, dem Alter entsprechende, erhöhte emotionale Verletzlichkeit inne haben. „Shazam!“ nimmt sich glücklicherweise, im Vergleich zu den anderen „turbowitzigen“ Superheldenfilmen der letzten Jahren recht ernst und hat deshalb nicht das Bedürfnis, in Dauerschleife ernsthaftes ironisch zu brechen und unter jedes zur Schau gestellte Gefühl einen doppelten sarkastischen Boden zu legen.

Ein weiterer Ausdruck der Verspieltheit des Films ist auch die wuselige Welt, in der er spielt. Viele Blockbuster kranken daran, dass die Welten nur Schauplätze für Krawall und Eskalation sind. Die Umgebung bleibt häufig nur Kulisse, austauschbar, statisch und irrelevant. „Shazam!“ hingegen nimmt sich viel Zeit, eine lebendige und pulsierende Kulisse zu schaffen, die auf den Helden reagiert und mit der der Held interagiert. „Shazam!“ verfügt dementsprechend auch über ein großes Ensemble an Nebenfiguren, die sich zwar nie wirklich deutlich vom Standard eines Highschool- oder Coming of Age Films abheben, aber dennoch ihre individuellen Eigenarten haben und dadurch generell zum lebendigen Eindruck des Films beitragen.

„Shazam!“ ist natürlich trotzdem bei weitem kein revolutionärer Film. Die Formeln und Schablonen, die eine Superhelden-Origin Story im Kino anscheinend er- und auszufüllen hat gelten auch für diesen Film. Er biegt und beugt zwar etwas, liefert manchmal mehr als gefordert wird, aber er bricht eben nicht.

„Shazam!“ ist also ein Film, der De Facto nichts am Status Quo des Genres ändert, er bringt aber eine Lebendigkeit, einen wuseligen Spaß, ein kindliches Staunen und Freuen sowie eine große Selbstverständlichkeit was die Darstellung von Nonsens angeht mit, die ihn frisch-fröhlicher und letztens auch liebenswerter als viele seiner Kollegen machen.

7.0 von 10.0

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