Captain Marvel

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„Captain Marvel“ von Anna Boden und Ryan Fleck ist der neueste Eintrag des MCU und wie bei so vielen Filme des Franchises vor ihm werfen auch hier Fans und Kritiker gleichermaßen mit positiven Attributen um sich, werden auch hier wieder Millionen von Dollars an die Kinokassen gespült. Und wieder einmal darf man sich fragen, ob der Erfolg gerechtfertigt ist oder ob es sich nicht doch nur um ein Krawallprodukt handelt, dass keine Ansprüche an sich selbst stellt.

Die Wahrheit liegt bei „Captain Marvel“ tatsächlich in der Mitte, doch davor sei noch eine Sache der Vollständigkeit halber erwähnt: tatsächlich erfährt der Film, im Vergleich zu anderen MCU-Produkten, einen gewissen „Backlash“ (auch wenn dieser nicht einmal im Ansatz die Qualität eines Shitstorms wie in beispielsweise „Star Wars Episode 8 – Die letzten Jedi“ erfahren musste besitzt), bei diesem handelt es sich aber im Kern zumeist nicht um Kritik am Film an sich, sondern um Aufregung über Äußerungen der Hauptdarstellerin Brie Larson (was nicht heißen soll, dass es keine Kritik am Film an sich gäbe, die gibt es nämlich, aber sie macht eben einen gewohnt unverdient niedrigen Anteil der Rezeption des Films aus). Wenn das neue Marvelprodukt dann doch einmal kritisch angegangen wird, so stürzen sich viele (aber natürlich nicht alle) gern auf „forcierten Feminismus“, wozu aber gleich gesagt werden muss, dass dieser Kritikpunkt völliger Unsinn ist. Tatsächlich genauso unsinnig wäre es, „Captain Marvel“ für eine dezidiert feministische Botschaft zu loben, der Film ist nämlich im Kern nicht feministisch.

Es ist eine Marvelgeschichte wie jede andere, ein Film, der sich nicht dafür schert, welchem Geschlecht seine Hauptfigur hat (was sowohl Positives als auch Negatives hat); nur die PR-Maschine Disneys ist es, die hier bahnbrechenden Feminismus suggeriert. „Captain Marvel“ hat aber keinen entsprechenden Inhalt, stattdessen versucht er sich vorsichtig an einer Holocaust-Analogie, bleibt dabei aber behutsam und driftet nicht zu sehr in politische und darüber, mangels Reflexion der Inhalte (die Disney seinem Publikum wohl nicht zutraut) ins ärgerlich-bedenkliche ab, wie es anderen MCU-Filme taten („Black Panther“, du bist gemeint!).

Stattdessen bleibt „Captain Marvel“ sehr an der Oberfläche, wie er es ohnehin die ganze Zeit tut. Der Film fühlt sich pudelwohl darin, nichts zu erzählen. Natürlich gibt es ein paar obligatorische Plotstationen, die abgefrühstückt werden, natürlich gibt es auch eine peinlich oberflächliche Erforschung des Unbewussten und natürlich gibt es eine extragroße Portion Fanservice. Das ist aber eben nichts mit Substanz, dass ist nichts, was den Status Quo verändert, dass ist nichts. „Captain Marvel“ liefert lieber eine Bestandsaufnahme ab, darüber, wie das aktuelle Blockbuster-Kino aussieht und als solche funktioniert der Film ganz ordentlich.

Nostalgie-Bonus, simple Plots und seichte Charaktere, Fanservice, einfacher Humor und ordinäres Spektakel: „Captain Marvel“ reichert all das in konzentrierter Form an und was eigentlich höchst ärgerlich sein sollte entpuppt sich als höchst unterhaltsam. Keinesfalls clever, dafür aber sympathisch naiv-dümmlich also versucht „Captain Marvel“ der Blockbuster zu sein, der alle zufrieden stellt und wird dadurch zu einem Film, der alles ist, was ein Blockbuster nicht sein sollte. Er ist unironisch ironisch, spektakulär unspektakulär, kompliziert simpel und anödend unterhaltsam. Diese Widersprüche trägt jeder Massenfilm in sich und besonders gute lösen sie auf, besonders schlechte hingegen leben sie aus – „Captain Marvel“ hingegen ignoriert sie.

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Dadurch wird der Film zu einem Film für jeden und keinen, einem Film, den man nicht gut finden kann, aber doch irgendwie mögen muss.

5.0 von 10.0

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