Flop 10 2018

Das Filmjahr 2018 ist vorbei und es ist an der Zeit, für einen Rückblick. Ich habe 69 Filme aus diesem Jahr gesehen, dabei im Durchschnitt 5.4 Punkte vergeben. Die höchste von mir dieses Jahr vergebene Wertung waren acht Punkte, die niedrigste zwei Punkte. Nun soll es heute darum gehen, welche die schlechtesten Filme des Filmjahres 2018 waren (ich sortiere dabei nach deutscher Erstveröffentlichung).

Platz 10: „The Nun“ von Corin Hardy

Das „Conjuring“-Franchise gehört zu jenen Filmreihen, die mit einem soliden ersten Eintrag begannen und dann bis zu Unkenntlichkeit ausgeschlachtet wurden. Der neueste Eintrag, „The Nun“, ist dabei besser als der unsägliche zweite Film der Hauptreihe, aber weder sagt das viel aus, noch ist das ein schwer zu knackendes Ziel. „The Nun“ hat zwar eine exquisiten Soundtrack und einige schaurig-schöne Bildkompositionen, aber der Film verliert sich viel zu sehr in einem Jumpscare Fest nach Schema F; erzählt ungewollte Geschichten uninteressanter Charaktere und dient insgesamt als Musterbeispiel dafür, wie ein Mainstream-Horrorfilm zu häufig aussieht, obwohl er es nicht sollte.

Platz 09: „The First Purge“ von Gerard McMurry

„The First Purge“ weiß nie genau, ob er Horror oder Action sein will, sehr genau weiß er dafür, dass er gern ein politischer Film sein mag. Der Film funktioniert aber allenfalls als Satire auf politische Filme, für alles andere fehlt es ihm schlicht an Substanz. „The First Purge“ ist teils eklig Stereotyp (so spielt bei wirklich jedem Auftritt eines schwarzen Charakters Hip-Hop im Hintergrund) und seine politische Aussage beschränkt sich auf „Böse Menschen sind Böse“.

Platz 08: “Solo – A Star Wars Story” von Ron Howard

„Solo – A Star Wars Story” ist ein typischer Fall von Franchise-Krankheit. Der Film muss zwingend eine „neue“ und „unbekannte“ Geschichte erzählen, am besten aber mit alten Charakteren und in Bekannten Mustern. Dafür bietet sich natürlich die klassische Origin-Story an, und so wird nun als die Backstory von Han Solo schamlos ausgeschlachtet. Das „Solo – A Star Wars Story“ dabei nichts neues und aufregendes zu erzählen weiß, überrascht nicht, dass hingegen aber auch die Bilder nicht zu begeistern und zu beeindrucken wissen, ist bei einer Marke wie „Star Wars“ enttäuschend – und für den Film tödlich.

Platz 07: „Black Panther“ von Ryan Coogler

Das MCU bot bisher immer vor allem eins: unpolitisches, wenig aussagekräftiges Unterhaltungskino. Mal war das, trotz seiner Formelhaftigkeit, sympathisches Wohlfühlkino, häufig aber auch ärgerliche Industimasche, aber immer war es harmlos. „Black Panther“ ändert das nun. Der Film versucht, ein Politikum zu sein und wird dafür mit Preisen nur so überhäuft. Tatsächlich ist ein Film wie dieser eigentlich auch sehr wichtig und sein Erfolg prinzipiell begrüßenswert, tatsächlich aber verhebt Ryan Cooglers Film sich leider massiv an seinen Inhalten und zeichnet ein teils recht bedenkliches, undemokratisch-isolationistsches Bild. Somit liefert der Film leider keinen Beitrag zum Wichtigen Brücken-Bauen, er wird weder der gleichnamigen Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre, noch seinen eigenen Ansprüchen gerecht.

Platz 06: „Wahrheit oder Pflicht“ von Jeff Wadlow

Weiter oben nannte ich „The Nun“ ein Musterbeispiel für das, was im Mainstream-Horror falsch laufen kann, ein noch viel besseres Exempel dafür ist aber „Wahrheit oder Pflicht“. Dieser Film stellt sich in eine Reihe mit den ganzen „Final Destination“s und wie sie alle heißen mögen; diese Marke Teen-Horror, der mit einer kreativen Grundidee ausgestattet ist, vor allem aber mit nervig-überzeichneten Charakteren und einem dröge-dumpfen Plot  in blutig-banalen Bildern eine Reihe von Kills abhandelt, die weder erschreckend noch witzig sind, sondern vor allem langweilen.

Platz 05: „Sierra Burgess Is a Loser“ von Ian Samuels

Coming of Age Filme gibt es wie Sand am Meer. Was „Sierra Burgess Is a Loser“ von anderen Vertretern seines Genre abhebt, ist die Tatsache, dass er sich mit einer, nach gesellschaftlichen Normen, unattraktiven Protagonistin auseinandersetzt. Das ist sicher etwas gutes und hätte das Potential, eine ermutigende Botschaft für ähnliche Teenager zu beinhalten. Tatsächlich aber zeigt der Film nicht, dass seine Hauptfigur Sierra noch irgendwelche andere Qualitäten neben ihres Aussehens enthielte, der Film reduziert sie darauf, zwingt sie dazu, höchst bedenkliche Tricks und Kniffe zu verwenden, um sich in das Herz eines Jungen zu spielen; Tricks, die mit ihrem Wesen nichts zu tun haben. Der Film bewirbt sich selbst mit „Sei, wer du bist“, er sagt aber „Spiele, wer du sein willst“.

Platz 04: „The Cloverfield Paradox“ von Julius Onah

„The Cloverfield Paradox“ ist technisch wertig und das Ensemble solide zusammengesetzt. Es hilft nur leider nichts, wenn die Regie furchtbar uninspiriert einen Schock aus der Mottenkiste des Grusels nach dem anderen zusammenmontiert und dabei eine Geschichte erzählt, die nur dazu da zu sein scheint, Spekulationen unter Fans im höchsten Maße anzuregen. Dabei liegt das Mysterium im Inhalt von „The Cloverfield Paradox“ nicht etwa darin begründet, dass der Film clever erzählt wäre, sondern darin, dass der Film im Kern seines Wesen furchtbar blöde ist.

Platz 03: „Rise of the Scythian” von Rustam Mosafir

„Rise of the Scythian“ hat einen beeindruckend konsequenten Finalen Akt, davor aber eine schwindelerregende (im negativen Sinne) Kameraführung, einen seltsam billigen Look und Schauspiel, dass den Begriff „hölzern“ transzendiert. Inhaltlich gestaltet sich der Film belanglos, teils verwirrend, teils schlicht dämlich dumpf.

Platz 02: „Pacific Rim 2: Uprising“ von Steven S. DeKnight

Was für eine Schande! Steven S. DeKnight, Mastermind hinter dem Serien-Epos „Daredevil“, verrennt sich hier in einem Actionvehikel, wie es schlimmer kaum sein könnte. Dieses Bonbon-Feuerwerk ist klebrig süß, zugleich aber luftig-leicht wie die Folie, in der die begehrte Süßspeise eingewickelt ist. Dadurch lässt der Film völlig ein Gefühl der Wucht missen, die Action ist also keinesfalls beeindruckend oder in irgendeiner Form unterhaltsam, sondern abstrakt und unnahbar, primär aber auch ermüdend und einschläfernd. Mit versuchen von Humor versuch DeKnight, sein Monstrum zu retten, statt der erhofften ironischen Reflexion evoziert er aber nichts als Fremdscham. „Pacific Rim 2: Uprising“ ist eine Mahnung, dass DeKnight sich in Zukunft wieder mehr im Bereich der Serien bewegen sollte.

Platz 01: „The House That Jack Built” von Lars von Trier

Lars von Trier ist ein polarisierender Regisseur und so verwundert es nicht, dass auch sein neuster Film spaltet wie kaum ein anderer dieses Jahr. Einige mögen in der bewussten Grenzüberschreitung, der gewollten Provokation, ein großes Stück Kunst sehen, wenn man aber ehrlich ist, dann ist der Film vor allem eine prätentiös-pathetische Zitatesammlung, die geschmacks- und gehaltslose Mordszenen aneinanderreiht, zwischen denen immer wieder über Kunst referenziert wird, damit auch ja jeder versteht, dass es hier eben nicht nur um krankhafte Perversionen, sondern um große Werke für die Ewigkeit geht. Der Film ist dabei derart platt und oberflächlich, dass eine richtige Reflexion nie statt findet, anstatt zum Kampf mit dem Werk anzuregen, kämpft der Regisseur hier lieber mit sich selbst. „The House That Jack Built“ ist eine zynische und menschenverachtende Groteske, eine peinliche Rechtfertigung, bemüht humorvoll, unreflektiert und kindisch, eben durch und durch ärgerlich.

Erwähnenswertes:

Ein paar Filme, die es nicht in die Flop 10 geschafft haben, von deren Sichtung aber trotzdem nur abgeraten werden kann: „HERRliche Zeiten“ von Oskar Roehler, „Skyscraper“ von Rawson Marshall Thurber, „Meg“ von John Turteltaub, „Slender Man“ von Sylvain White, „Renegades – Mission of Honor“ von Steven Quale, „Romina“ von Diego Cohen und „Godzilla 2: Eine Stadt am Rande der Schlacht“ von Kôbun Shizuno.

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