Daredevil – Kritik und Analyse

Achtung! Dieser Text ist zweigeteilt. Der erste Teil, die Kritik, ist spoilerfrei. Im zweiten Teil, der Analyse, sind allerdings Spoiler für alle drei Staffeln „Daredevil“ sowie die Serie „The Defenders“ enthalten.

Kritik

Das Marvel Cinematic Universe, die große Filmreihe rund um die Avengers und Co, versteht sich ja selbst als serielle Erzählung. Jeder Film ist eine Episode, jede „Phase“ sozusagen eine Staffel, jeder „Avengers“-Film das große Staffelfinale, auf welches die anderen Folgen hinarbeiten. Zahn greift in Zahn, Rad in Rad, alles kommt irgendwie zusammen, wie eben bei Serien Folgen ineinander greifen und ein großes ganzes ergeben. Nun produziert Marvel aber auch tatsächlich richtige Serien, die auch irgendwie Teil des Marvel Cinematic Universe sind. 2015 veröffentlichte Marvel in Kooperation die erste Staffel „Daredevil“ und sogleich schickte sie sich an, zu Beweisen, dass auch im MCU eine künstlerische Vision stecken kann.

Zwei Staffeln und drei Jahre später und „Daredevil“ steht da als eine der besten, wenn nicht sogar die beste, Serie aus der Netflix-Eigenproduktionsschmiede. Über den Kurs von drei Staffeln erzählt „Daredevil“ mit erstaunlicher Intimität und Feinfühligkeit vom Martyrium seines namensgebenden Helden. Die Serie arbeitet dabei mit akribischer Genauigkeit komplexe Beziehungsgefüge aus, sei es die Beziehung zwischen dem Helden Matt Murdock und seinem Erzfeind Wilson Fisk, die interessanterweise im Kern ihres Wesen ein und dasselbe sind, oder kaputte und verletzende Romanzen wie jene zwischen Daredevil und Elektra. „Daredevil“ erhält dadurch eine angenehme Ambivalenz, gleichzeitig aber wirkliche Menschlichkeit. Wenn die Serie vom Hass und der Liebe, die Figuren verbinden, berichtet, dann fühlt sich das nahbar und authentisch an, dann ist das wirklich packend und fungiert als Motor einer atemberaubenden Serienerfahrung, dazu aber später mehr.

„Daredevil“ ist ja, glücklicherweise, nicht nur stark geschrieben, sondern eben auch, im Superheldenbereich eher ungewöhnlich, ästhetisch stark. Die Serie nämlich implementiert die Blindheit des Titelhelden direkt in die audiovisuelle Umsetzung. Charlie Cox nimmt sich in seiner Darstellung des Matt Murdock natürlich ebenfalls die Blindheit zu Herzen, vermeidet Blickkontakt und ähnliches, was ein Blinder nun einmal nicht liefern kann. Aber eben auch die Inszenierung trägt der Blindheit Rechnung. „Daredevil“ arbeitet viel mit Tönen und versucht ebenfalls, Geräusche zu visualisieren. „Wie sieht ein Blinder?“, ist nicht nur eine Frage, die Matt Murdock regelmäßig gestellt wird, sondern die sich auch wie ein roter Faden durch die Serienästhetik. Immer wieder schickt „Daredevil“ sich an, vor der berauschend-blutigen Bildkulisse einen Ton in ein Bild zu fassen. „Berauschend-Blutig“ ist dabei ein gutes Stichwort.

So ist „Daredevil“ eine Serie von hohem Gewaltgehalt, ohne dabei jeweils in ein Muster von Gewalt als Selbstzweck abzurutschen. Den Schmerz der Figuren verwandelt „Daredevil“ in Bilder von geschundenen Körpern, introvertiertes Leiden wird nach außen gekehrt, zu extrovertierter Gewalt. „Daredevil“ ist also am Ende des Tages eine wunderschön gefilmte Serie, eine Serie auch, die wohl jeden Actionfan mit hochwertiger und anspruchsvoll, sowie durchaus kreativ und innovativ, gefilmten Actionszenen begeistern dürfte.

Zu den einzelnen Staffeln sei noch kurz folgendes gesagt: Staffel 1 ist diejenige mit der ambivalentesten und besten Held-Schurke-Beziehung und hat diese auch klar im erzählerischen Fokus, verfügt aber über ein ungestümes Erzähltempo, dass mal zu lange an einem Ort verweilt und mal ohne Verschnaufpause durch die Erzählstationen springt. Staffel 2 ist jene, die wohl einem klassischen Blockbuster am nächsten kommt, ein lautes und überwältigendes Chaos, in dem sich aber atemberaubende Momente der Intimität und fesselnde Charakterschicksale verbergen. Staffel 3 ist die wohl beste der Serie, ein Slow-Burn-Thrill, der die Stärken der ersten und der zweiten Staffel zusammenführt und zusätzlich von herrlich gebrochenen Menschen zu berichten weiß.

Analyse

Staffel 1

Der Fokus der ersten Staffel „Daredevil“ liegt auf der Beziehung zwischen dem namensgebenden Helden und seiner Nemesis Wilson Fisk. Beide Männer sind sich so ähnlich, dass sie Feinde sein müssen. Selbst, wenn sie wollten, es ginge nicht anders. Das ist wahrhafter Hass, der daraus resultiert, dass beide Charaktere das selbe Ziel haben und dieses auch mit der tiefen Überzeugung verfolgen, im Recht zu sein, nämlich natürlich die Rettung und Verbesserung der eigenen Stadt. Dabei projizieren sich auch eigene Ängste in den jeweils anderen. Fisk sieht in Daredevil eine Reinkarnation seines gewalttätigen und spontan sowie sinnlos brutalen Vaters; Daredevil hingegen sieht einen Teil von sich in Fisk, den er zu unterdrücken versucht, nämlich den Mann, der keine Grenzen mehr kennt und verletzt um des Verletzens Willen. Daraus entspringt eine Tiefe Feindschaft, die noch verstärtk wird durch die weitere Dualität der Figuren.

Fisk ist das, was Matt Murdock nie sein kann, er ist jemand, der an aus dem Dunkel heraus ins Licht tritt (Fisk wendet sich ja im Laufe der Staffel mit seinem Vorhaben an die Öffentlichkeit), er ist aber auch jemand, dem ein erfolgreiches soziales Leben und gesunde Beziehungen möglich sind. So befindet sich Fisk ja in einer Beziehung zur Figur Vanessa, eine Beziehung, die von aufrichtiger und bedingungsloser Liebe geprägt ist und für Beide auch ein gesundes und befreiendes Verhältnis darstellt. Matt Murdock ist das nicht vergönnt, er führt in der ersten Staffel gar keine Liebesbeziehung (gleichwohl regelmäßige One-Night-Stand angedeutet werden), im späteren Verlauf der Serie ist dann Matt Murdocks Romanze mit Elektra eine verletzende Beziehung, dazu aber später mehr.

Doch auch mit seinem besten Freund Wesley verbindet Fisk eine ehrliche Freundschaft, die Freundschaft zwischen Matt Murdock und Foggy Nelson hingegen ist angespannt, kurz vom Verbrechen, geprägt von einer großen Lüge. Fisk also, obwohl er die Abgründe verkörpert vor denen Matt zu fliehen versucht, stellt auch das dar, was Matt fehlt (visuell dargestellt wird das ja auch – nämlich durch Fisks Liebe zur bildenden Kunst, etwas, was Matt ja aufgrund seines mangelnden Sehvermögens überhaupt nicht wahrnehmen kann). Matt Murdock hingegen ist für Fisk die Vergangenheit, der nicht entfliehen kann. Nicht nur der gewalttätige Vater, sondern auch das Scheitern in der Vergangenheit und das Gefühl, missverstanden und ausgegrenzt zu sein spiegel sich im Daredevil wieder. Auch interessant ist dabei, wie die ökonomischen Hintergründe beider Charaktere in das Hassverhältnis hineinspielen. Matt Murdock ist ein Vertreter jener ökonomischen Unterschicht, die Fisks Kindheit zerstörte, Fisk hingegen ist ein Vertreter jener Oberschicht, die Matt den Vater raubte (der ja im Laufe der Serie von den Leuten eines mächtigen Gangsterbosses ermordet wurde).

Fisk ist dabei aber die tragische Figur der Staffel. Er ist der große Verlierer, dem der Freund, die Freiheit aber auch die Vision geraubt werden. Er ist am Ende desillusioniert (er sieht ja im Finale ein, dass er trotz seiner aufrichtigen Intentionen eben kein guter Samariter, sondern ein gewalttätiges Element ist), während Daredevil als ideologischer und faktischer Sieger hervorgeht und außerdem die personellen Verluste in seinem Team sich auf entfernte Bekannte beschränken, die zwar seinen Freunden, ihm selbst aber nicht nahe stehen. Das ist insofern spannend, als das Daredevil nun enthusiastisch und in allen seinen Methoden und Ansichten bestärkt – er hat ja seinen ideologischen Endgegner geschlagen, ohne etwas an seinem Denken ändern zu müssen – in die nächste Staffel entlassen wird und diese, wie wir ja jetzt wissen, für ihn vor allem großes Scheitern bereit hält. Scheitern, welches gemeinsam mit den Misserfolgen aus „The Defenders“ zu dem Tiefpunkt in Staffel 3 führen wird. Irgendwie großartig, wie die Saat für sein Versagen und seine Abgründe in seinem Triumph gelegt wurden.

Staffel 2

Während Staffel 1 vor allem Hass als Zentrales Thema hatte geht es in Staffel 2 um Liebe. Was blöd klingt und nicht immer offensichtlich ist, ist aber tatsächlich großartig und wichtig. Daredevil führt zwei romantische Beziehungen in der Staffel, einmal eine gesunde, reine und poetisch dargestellte mit Karen Page, die durch die Dunkelheit in Matts Leben zerstört wird. Auf der anderen Seite führt Matt aber auch eine kranke Beziehung mit Elektra, eine gewaltsame und manipulative, deren zentraler Bestand Missbrauch ist.

Matts Konflikt ist also die Liebe zu zwei Frauen, die eine verkörpert das, was sein Leben sei könnte, nämlich sinnvoll und gut, wahrer Gerechtigkeit verschrieben (Karen kämpft im Laufe der Staffel zum Beispiel für Gerechtigkeit für den Punisher), die andere hingegen verkörpert den selbstzerstörerischen Lebensstil Matts, von dem er sich trotzdem nicht lösen kann. Interessant ist dabei auch, wie Matts Beziehung zu Elektra die Beziehungen zu den restlichen Personen in seinem Leben zerstört (durch die Zeit, die er mit Elektra verbringt, verpasst er ja mitunter wichtige Termine, Verabredungen und ähnliches, was die Wut von Karen und Foggy provoziert. Durch das Netz aus Lügen, was er anschließend spinnt, stößt er schließlich beide von sich, aus seinem Leben). Gegen Mitte der Staffel entscheidet sich Matt dann dafür, mit Elektra zusammen sein zu wollen (und interessanterweise liebt er sie auch aufrichtig – sie ihn aber ebenso, obwohl sie ihn regelmäßig belügt, manipuliert und verletzt), und damit eben auch, Daredevil sein zu wollen.

Ein weiterer spannender Aspekt der Staffel, der hier aber nur kurz behandelt werden soll, ist, wie Gewalt Gegengewalt provoziert. Je länger die Staffel geht, desto brutaler wird Matt. Er wird hier durch den Umgang mit gleich drei hochgradig gewalttätigen Personen (Elektra, der Punisher sowie seine Vaterfigur und Ausbilder Stick) selber zu immer härterer Gewalt konditioniert. Wichtig wird das aber vor allem in der dritten Staffel, dazu aber später mehr.

Schade ist, dass in der zweiten Staffel eine intensive Held-Schurke-Beziehung wegfällt, mit der „Hand“ sucht sich die Staffel als Endgegner eine recht langweilige und gesichtslose Organisation heraus, die aber in einem Punkt doch interessant ist und späteres vorweg nimmt. Die Krieger der „Hand“ nämlich sind untote Ninjas, die je nach Bedarf immer wiederbelebt werden können. Heißt, jeder Sieg, den Matt über sie erzielt, kann problemlos rückgängig gemacht werden. Damit verkörpert die „Hand“ eigentlich genau das Gefühl der Frustration und der Sinnlosigkeit und Unbeständigkeit des Sieges, welches Matt später verspürt. Am Ende der Staffel erringt Matt nun einen Pyrrhussieg. Er besiegt zwar irgendwie die Schergen der „Hand“ (unter dem Vorwand aber, dass sie sowieso zurückkehren werden), Elektra aber stirbt in seinen Armen und sein Privatleben samt der dort vorhandenen Beziehungen liegt in Trümmern.

„The Defenders“

„The Defenders“ als Serie ist eine mittelschwere Enttäuschung, die weder inhaltlich noch ästhetisch die Größe von „Daredevil“ erreicht und sich in ein erzählerisches Kuddelmuddel verrennt, aber nichtsdestotrotz einen bestimmten Unterhaltungswert bietet, mit guten Darstellern und solider Action gespickt ist. Die Serie deutet dabei viele interessante Themen und Konflikte an (die aber zu besprechen, und vor allem auch zu erklären, warum die Serie an der Auseinandersetzung zu großen Teilen scheitert, würde hier aber den Rahmen sprengen), macht aber nicht viel daraus. Interessant ist aber auch hier die Beziehung zwischen Daredevil und Elektra. Matt ist nach seinen Erfahrungen aus Staffel 2 gebrochen, mit Elektras Tod hat er auch sein Dasein als Daredevil abgelegt, zu seinen Freunden kaum Kontakt, er stürzt sich in Arbeit und kann doch nicht loslassen von der Frau, die er liebte und dem Leben, dass er ebenfalls liebte (in einer Szene fragt ihn ja der Pastor Lantom, ob sein Herz an dem Leben, welches er führte, hinge oder an der Frau, die es mit ihm teilte, die Antwort muss natürlich sein: an Beidem). Mit der Rückkehr der von der „Hand“ wiedererweckten Elektra kehrt nun auch Daredevil zurück, die Beziehungen zwischen Beiden ist aber zugleich noch gewalttätiger und kaputter als zuvor. Am Ende der Serie, und das ist interessant, wählt Matt nun aber den Freitod – für ihn zu dem Zeitpunkt der einzige Weg, mit Elektra zusammenzusein (tatsächlich merkt sie auch an, dass sie doch Beide ihr Ziel erreicht hätten: immerhin sind sie zusammen).

Staffel 3

Die interessanteste Beziehung in der dritten Staffel „Daredevil“ ist eine rein spirituelle, nämlich die zwischen Matt Murdock und Gott. Daredevil ist ja einer der wenigen Superhelden, bei dem der Glaube tatsächlich eine große Rolle spielt und dessen ideologisches Fundament auf dem Glauben aufgebaut ist. Nun ist Daredevil ja, nachdem er eigentlich am Ende von „The Defenders“ den Tod wählte, brutal wieder ins Leben gerissen worden, er überlebte die Katastrophe am Ende der „Defenders“-Serie, wurde wieder gesund gepflegt, hat aber Elektra wohl für immer verloren (seine geschundener Körper zu Beginn der Staffel verbildlicht dabei einmal mehr seine gebrochene Seele). Dazu kommt nun auch, dass Wilson Fisk, Murdocks ideologischer Erzfeind, zu Beginn der Staffel aus dem Gefängnis entlassen wird und damit Matts größter und einziger wirklicher Sieg zunichte gemacht wird. Dies rüttelt am ideologischen Fundament des Helden. Deutlich wird dies, als er sich mit Hiob vergleicht. Ähnlich wie dem Hiob, ist auch Matt Murdock alles geraubt worden, und nichtsdestotrotz kämpfte er trotzdem weiter, in dem Glauben, Gottes Krieger zu sein. Für Matt aber ist nun ein Punkt erreicht, an dem er nicht weitermacht damit. Er wendet sich von Gott ab, beschließt, nur noch für sich selbst zu bluten.

Hier tut sich eine interessante Parallele zu Fisk auf: beide Charaktere werden ja (zu unterschiedlichen Zeitpunkten) desillusioniert; (Fisk erkennt ja bereits am Ende der ersten Staffel, eben nicht der gute Samariter zu sein und Matt muss nun einsehen, dass er nicht im Auftrag Gottes handelt) während Fisk aber gestärkt aus der Zerstörung des ideologischen Fundaments hervorgeht und nun völlig in seinem eigentlichen Lebensinhalt aufgehen kann, nämlich der Liebe zu Vanessa, ist Matt durch das Abhandenkommen seines ideologischen Fundaments an einem Tiefpunkt angelangt. Ein Tiefpunkt, der sich auch durch die Staffel hinwegzieht. Ja, er kehrt als Daredevil zurück, beschließt aber trotzdem, im dunklen zum bleiben, verzichtet ja auch auf seinen klassischen Anzug aus Staffel 2 und trägt stattdessen das schwarze Stoffkostüm aus der ersten Staffel (hier ist tatsächlich auch die Farbsymbolik schön – Fisk, auf seinem Hochpunkt, trägt weiß, Matt, auf seinem Tiefpunkt, trägt schwarz).

Gleichzeitig droht die Veranlagung zur Extremgewalt, die in Staffel 2 gelegt wurde (durch den Umgang mit Elektra, Stick, Punisher) aufzugehen und Matt beschließt, Fisk nun tatsächlich zu töten. Der spannendste Aspekt an der Feindschaft zwischen Fisk und Matt in dieser Staffel übrigens ist, wie asymmetrisch sie plötzlich wird. Fisk hasst zwar Daredevil immer noch und plant auch, diesen zu vernichten, aber das zusammenkommen mit Vanessa hat für ihn viel höhere Priorität – Daredevil ist nun weniger Intimfeind, denn mehr eine potentielle Gefährdung für das Leben mit Vanessa. Für Matt hingegen ist Fisk der einzige Lebensinhalt, die Tötung Fisks ist in dieser Staffel der Motor, der Matt Murdock am laufen hält. In Visionen und Halluzinationen sucht Fisk Matt heim, verspottet ihn, ärgert ihn, quält ihn. Matt steigert sich also quasi durch den Verlust seines vorigen ideologischen Fundaments in einen Wahn hinein, projiziert noch mehr in Fisk hinein als er es ohnehin schon tat. Übrigens ist interessant, welchen Gegner Fisk Matt vorsetzt.

Fisk nämlich erschafft im Laufe der Staffel mit Benjamin Poindexter eine Art Anti-Daredevil, den er schickt, um seine Drecksarbeit zu verrichten. Poindexter ist tatsächlich der Daredevil wohl ähnlichste Charakter in der gesamten Serie. Seine Geschichte liest sich eine verzerrte Version der Geschichte Daredevils, sein Charakter ist eine gestörte und ins negative gespiegelte Fassung von Matt Murdock. Poindexter ist das, was Matt ohne all jenes hätte werden können, was ihm Halt und Orientierung gab. Was Fisk also nun tut, indem er Matt Poindexter als Gegner vorsetzt, ist, dass er Daredevil mit sich selbst ringen lässt und ihm den Kampf mit seinen Dämonen aufzwingt. Das ist insofern interessant, als das diese Auseinandersetzung sowohl auf einer faktischen, als auch auf einer symbolischen Ebene stattfindet.

Am Ende der Staffel gelingt es Matt nun natürlich doch, einen Weg aus der Dunkelheit zu finden und zwar, indem er sich dem Leiden der Vergangenheit stellt und es akzeptiert, gleichzeitig aber auch beschließt, wieder Menschen in sein Leben zu lassen und die Tür für Foggy und Karen öffnet. Matt sieht dann am Ende auch davon ab, Fisk zu töten. Wichtig ist dabei aber vor allem, dass auch Vanessa während des Endkampfes anwesend ist und sie ja mit Fisk eine aufrichtige Liebe verbindet. In der zweiten Staffel gab es ja einen Dialog zwischen Daredevil und dem Punisher, in dem Daredevil versuchte, den Punisher vom Töten abzubringen, in dem er ihm erklärte, dass in jedem Menschen ein Fünkchen Licht stecke, welches nicht ausgelöscht werden dürfe. Die ehrliche Liebe zu Vanessa ist dabei das Fünkchen Licht in Fisk. Durch seine Freunde daran erinnert, wer er eigentlich ist, wird Matt auch daran erinnert, dass er diesem Prinzip folgt und das ein Bruch damit ihm einen Abgrund eröffnen würde, aus dem zu entkommen nicht mehr möglich wäre. So findet Matt Murdock als am Ende zu sich selbst, den Menschen in seinem Leben und auch Gott zurück, zugleich aber hat er sich nun ein ideologisches Fundament angeeignet, dass unabhängig von einer höheren Instanz ist. Seine Origin ist also am Ende der dritten Staffel vollständig abgeschlossen und Daredevil ist nun der Held, der er auch in den Comics ist.

Wertung „Daredevil“: 9.0 von 10.0

Wertung „The Defenders“: 5.0 von 10.0

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