The Nun

Das „Conjuring“-Franchise wächst unaufhaltsam und mit „The Nun“ erblickt der nunmehr fünfte Film des Franchises das Licht der Leinwände. Die wichtigste Frage für Fans dürfte wohl sein: Ist Corin Hadrys Film krank gruselig und vertieft er das Universum auf voll krasse meta-weise?

Gesagt dazu sei, jeden, den James Wans bemühter Horror ernsthaft an den Rand blanken Entsetzens führte, den wird auch „The Nun“ zum Fingernägel-Kauen bringen. Zur zweiten Frage kann nur gesagt werden, jedwede Person, die sich kindlich-vergnügt zeigt, wenn ein Film auf mehr oder minder erfolgreiche Art und Weise eine Verbindung zu anderen Filmen herstellt und dabei Mysterien brutal die Maske vom Gesicht reißt, wird an diesem Film ihre helle Freude haben.

Was ist aber mit jenen, die einen wahrhaft erschreckenden, einen unheimlich guten Film zu sehen wünschen? Nun, all diese wird „The Nun“ wohl enttäuschen. Ja, er ist besser als der erbarmungswürdige „Conjuring 2“ aber gut ist eben drum noch lange nicht.

Dabei hat Corin Hardys Film Unmengen an Potential und entdeckt inmitten des Jumpscare-Getoses auch ein ums andere Mal gruselig-schöne Motive. Dazu gesellt sich ein exquisiter Soundtrack, der gregorianische Themen aufgreift, verdreht und so zu einer wunderbar bedrohlichen Musik-Kulisse formt. Aber es fehlt eben an effektiven Möglichkeiten, Unwohlsein und Terror zu evozieren; Hardy streut zwar ambiguose Kamerafahrten ein, weiß diese aber nicht anders als durch furchtbar laute und erschreckend langweilige Jumpscares aufzulösen. Kurz gesagt: Hardy verfügt über ein solides Fundament, dass darauf erbaute Haus stürzt aber trotzdem ein.

Weiter ärgerlich wäre der gescheiterte grusel nicht, wenn „The Nun“ denn eine gescheite Geschichte zu erzählen hätte. Tatsächlich liegt hier ein Potential für erfrischende Kontraste vor: Moderne Welt gegen mittelalterliche Tradition, konservativer Katholizismus gegen Emanzipation, treue Gottesfürchtigkeit gegen uneingeschränkte Menschenliebe und so weiter. Im Kern des Drehbuchs, in der Wahl des Settings, in welches die Protagonisten geworfen werden schlummert diese Dualität und im Ansatz gibt diese Kontraste.

Nutzen tun Hardy und sein Drehbuchautor diese aber nicht, stattdessen herrscht im Film eine Monotonität vor und eine ärgerliche Ergebenheit der katholischen Kirche gegenüber. So verwundert es auch nicht, dass der inszenatorische Höhepunkt des Films jene Stelle ist, also die Protagonistin, eine Nonnen-Novizin, ihr Gelübde ablegt und sich für immer in Gottes Dienst stellt.

Am Ende des Films kann man dann auch ein wenig verunsichert sein und es drängt die Frage, was man denn da gerade gesehen hat: einen richtigen Film oder Kirchen-Propaganda?

4.0 von 10.0

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