Mission: Impossible 6 – Fallout

Seit nunmehr 22 Jahren geistert das „Mission: Impossible“ Franchise durch die Kinos und so langsam, mag man meinen, sollte es Ermüdungserscheinungen zeigen. Vieles spricht dafür, zum Beispiel das viel jüngere, aktuellere Franchises wie das Marvel Cinematic Universe bereits ermüden oder das Hauptdarsteller Tom Cruise mit seinen 56 Jahren inzwischen auch zu alt sein sollte für die halsbrecherischen Stunts, die das Franchise berühmt machten. Gegen die These der Ermüdung spricht vor allem eines: „Mission: Impossible 6 – Fallout“.

Dieser Film, dieser sechste Teil der Reihe, ist nämlich gleichzeitig mit Abstand der beste Teil der Reihe – und oben drein auch noch der Blockbuster des Jahres, ja sogar einer der besten Bombast-Filme der letzten Jahre. Begründet liegt das vor allem daran, dass eine Kerndoktrin der Reihe nun geändert wurde: „Veränderung“ war stets das Motto des „Mission: Impossible“-Franchises; und so musste für jeden Teil ein anderer Regisseur her, andere Settings, andere Gegner und andere Bedrohungen. Konstant blieb dabei nur das Team um Tom Cruise‘s Ethan Hunt. Diese Doktrin wurde nun für den sechsten Teil der Reihe fallen gelassen und „Mission: Impossible 6 – Fallout“ steht nun unter einem anderen Motto: „Weiterentwicklung“.

Christopher McQuarrie, der bereits den fünften Teil inszenierte und schrieb, ist auch hier als Regisseur und Autor tätig und mit Sean Harris‘ Solomon Lane kehrt auch der Intimfeind des Vorgänger zurück. Dadurch, dass „Mission: Impossible 6 – Fallout“ auf einem Fundament aufbaut und nicht, wie die anderen Teile der Reihe, stets neue Gedanken denken muss, hat er den Vorteil, dass er Ideen nun zu Ende ausformulieren und das im fünften Teil gelegte Fundament sinnvoll erweitern kann. Dies resultiert nun darin, dass Christopher McQuarrie die Stärken des Vorgängers, etwa kunstvolle und zugleich rasante Inszenierung, weiter ausbauen und die Schwächen, etwa ein nicht immer schnörkellos verfasstes oder gut getimtes Script, verbessern kann.

Das Ergebnis dieses Prozess der Evolution innerhalb des Franchise-Mikrokosmuses ist dann eben auch folgende Erkenntnis: „Mission: Impossible 6 – Fallout“ ist ein ziemlich perfekter Action-Blockbuster geworden. „Mission: Impossible 6 – Fallout“ liefert so wirklich energetische und elektrisierende Action, die wundervoll durchchoreographiert und stylisch in Szene gesetzt ist; dank des treibenden Scores und herausragenden Schnitts außerdem ein ums andre Mal Schweißperlen auf der Stirn aufkommen lässt. Dazu gesellt sich eine Brachialität und zugleich doch formvollendete Eleganz, die in einem Film dieses Formats wirklich überraschend ist. Ebenfalls überraschend wirkt das hervorragende Timing des Films: Anstatt nämlich bis zur Reizüberflutung das Publikum mit Action zu bombardieren, streut der Film die Szenen des physischen Eskalation immer geschickt im Fluss der Geschichte ein.

Übrigens, und das sei hier erwähnt, ist das Drehbuch, gerade für einen Krawall-Blockbuster dieses Formats, wirklich elegant ausgefallen: wunderbar reduziert auf ein gut ausgearbeitetes Ensemble, mit einer zweckmäßigen Bedrohung und zwei, drei guten Twists findet das Script hier eine nahezu perfekte Balance zwischen, zugegebenermaßen, hauchdünnen Charaktermomenten, urkomischer Teaminteraktion, dem Fortschritt des Geschehens und natürlich der Action. Niemals gewinnt ein Anteil überhand, sondern alles ist gut ausbalanciert und dadurch ergibt sich ein fantastischer Flow.

Schön ist auch, dass „Mission: Impossible 6 – Fallout“ ein durchaus selbstbewusster Film ist. McQuarrie weiß darum, dass sein Film der sechste Teil eines über zwanzig Jahre alten Franchises mit einem Hauptdarsteller Mitte 50 ist und lässt das auch in ihn einfließen. So steht zwar die ganze Welt auf dem Spiel und doch ist der Konflikt eigentlich ein persönlicher zwischen vier Charakteren – Ethan Hunt, Solomon Lane, Ilsa Faust (bereits bekannt aus Teil 5 und wieder großartig: Rebecca Ferguson und August Walker (brachial: Henry Cavill) – die inzwischen ermüdet, ernüchtert und erzürnt sind ob der Welt, in der sie leben.

Gleichzeitig darf Ethan Hunt in diesem Film auch altersbedingte Schwäche zeigen. Ja, er rennt, kämpft und wütet mehr als zuvor, aber sein Alter kann er diesmal nicht mehr verbergen. Er macht Fehler, er wird körperlich malträtiert wie in keinem vorigen Teil und der sentimentale Wert seiner Freunde ist ihm heiliger als je zuvor. Und auch Tom Cruise zeigt, obgleich er mit ungeahntem Feuer die spektakulärsten Stunts des Jahres vollführt, sein Alter. Neben dem physisch beeindruckendem Henry Cavill verblasst seine Gestalt und die präzisesten Nahkampfchoreographien schnappt sich Rebecca Ferguson.

Am Ende triumphiert trotzdem der alte Hunt über seine Feinde, ebenso wie das in die Jahre gekommene „Mission: Impossible“-Franchise Qualitativ über viele jüngere Marken-Blockbuster des Jahres siegt. Es ist beruhigend zu wissen, dass in Zeiten der blanken und blutarmen CGI-“Avengers“, glattgebügelten „Star Wars“ Spin-Offs und wirren Dino-Schrecken brachial körperliche, feurig-wütende und elegant reduzierte Filme wie dieser entstehen.

„Bewegung“ könnte übrigens auch ein Motto der „Mission: Impossible“ Reihe sein. Zumindest dieser sechste Teil ist nämlich alles andere als Stillstand.

8.0 von 10.0

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