Jurassic World 2: Das gefallene Königreich

Ein Königreich ist gefallen! Es ist, und so mag man es auch erwarten, die Insel der Urzeitriesen, auf der einst das ultimative Spektakel entstehen sollte. Ist „Jurassic World 2: Das gefallene Königreich“ also eine Absage an das Spektakel der Superlative?

Leider nein und glücklicherweise doch. Was schizophren klingt, fühlt sich im Film ähnlich an und funktioniert dementsprechend nur bedingt. Doch bevor wir uns der dualen Persönlichkeitsstörung des Patienten widmen, fangen wir doch zunächst einmal woanders an.

Zu Beginn des Films ist nämlich alles beim alten: Dunkelheit, Regen, zwielichtige Gestalten, eine suspekte Inselkulisse und im Schatten lauernde Dinosaurier. Doch wo sich bei Spielberg noch gerade einmal mannshohe Raptoren im Schatten verbargen, beherbergt dieser bei Bayona massige T-Rexe und Meeressaurier.

Und hier zeigt sich mehr oder weniger auch der Zwiespalt des Film. Er will so gerne reduzieren, er will sich so gerne klein machen und er will so gerne ein B-Movie sein, dass mit düsteren Dunkel-Dinos und blanken Blutbädern massiven Terror erzeugt. Deshalb verlegt er logischerweise auch die Handlung vom weitläufigen Inselparadies in den Keller einer Goth-Villa, aber natürlich erst, nachdem zuvor das Inselparadies mit einem Vulkanausbruch vernichtet wurde. Und im Keller darf sich dann auch kein Indominus Rex breit machen, der wäre ja zu viel Spektakel. Stattdessen also ein Indoraptor. Der ist zwar auch ein Hybrid, aber viel weniger übertriebenes Spektakel!!!

Man merke also: trotz aller Versuche der Reduktion kann „Jurassic World 2: Das gefallene Königreich“ sich nicht vom Blockbuster-Bombast lösen. Statt effektiv herunterzufahren, sucht der Film lieber faule Kompromisse und Scheinlösungen. Das hat vor allem ein Resultat. Bayonas Dino-Debüt ist weder beeindruckend noch beängstigend.

Das ist schade, da der Film durchaus potential durchscheinen lässt. Im spektakulär schnell abgehandelten Spektakel, dass sich aus der spektakulären Zerstörung der Insel ergibt und dabei spektakulär wenig richtiges Spektakel bietet, gibt es einen dieser Momente. Einer der sanften Urzeit-Giganten wird von der Lava erfasst. Er bäumt sich ein letztes Mal auf und das große Wesen darf seinen großen Schmerz eindrucksvoll auf der Leinwand präsentieren. Hier zeigt sich, das der Film packenden Bombast zwischen Gefühl und Zerstörung durchaus gekonnt hätte.

In anderen Szenen, Momenten der Annäherung zwischen Strahlemann Chris Pratt und Kuschelraptor Blue, blitzt Bayonas Talent für Zärtlichkeit durch und in wieder anderen Szenen, dem durch Indoraptor bereiteten Kinderzimmerschrecken, Bayonas Talent für Horror. All dieses Talent nützt aber nichts, wenn es in das Korsett eines Trilogien-Mittelteils gepresst wird, der zwischen Franchise-Erneuerung, Rückbesinnung und Fortführung nicht zu entscheiden weiß und deshalb von allem ein bisschen liefert, garniert mit hanebüchenen Twists, trockenem Schauspiel und enttäuschend sauberer Action.

„Jurassic World 2: Das gefallene Königreich“ ist ein Placebo. Bayona schafft zu jedem Zeitpunkt wirklich tolle Bilder, die aber leider kaum passend sind und muss sich mit inhaltlichem Ballast und Altersfreigaben-Restriktionen rumschlagen. Herausgekommen ist dabei ein Film, der vortäuscht gut und innovativ zu sein, manchmal auch so wirkt, es aber eben nicht ist. Ein Placebo also, aber zumindest ein schicker.

5.0 von 10.0

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