Solo: A Star Wars Story

Star Wars ist jetzt auch ein Cinematic Universe, oder besser gesagt, ein Schizophrener, der nur noch wenige Lebenszeichen von sich gibt.

Schizophren in dem Sinne, als das Disney nicht weiß, welche Route einzuschlagen ist. Fan-Service wie in „Das Erwachen der Macht“? Ein realistisch-düsterer Ansatz wie in „Rogue One“? Oder radikale Dekonstruktion wie in „Die letzten Jedi“? Mit „Solo: A Star Wars Story“ ist nun eben jener Zwiespalt in einen Film gepresst worden und daraus ergibt sich in logischer Konsequenz auch das „wenige Lebenszeichen von sich“ geben, was schließlich zum „im sterben liegen“ und zu guter letzt zu „tot wie das MCU“ wird. Der Zustand des „Tot-Seins“ ist dabei nicht auf Output von Unterhaltungsprodukten, sondern auf das Filmische an sich bezogen. Durch den Versuch nämlich, dreierlei zu sein und doch minimiertes Risiko einzugehen neigen Cinematic-Universe Filme dazu, einheitlich, steril, forciert und logischerweise dann eben auch leblos daher zu kommen. „Solo: A Star Wars Story“ verweilt glücklicherweise noch auf der Stufe des „wenige Lebenszeichen“ abgebens, um wahrhaftig tot zu sein ist der Film zu gut besetzt, sind die Poker-Szenen zu charmant, sind die wenigen Momente, in denen Han Solo tatsächlich Draufgänger und Schwindler sein darf zu erfrischend.

Hier ergibt sich aber auch ein Problem: „Solo: A Star Wars Story“ will furchtbar gerne ein Film über Schmuggler, Diebe und Gansgter sein, aber er traut sich nicht, wirklich dreckig oder gar moralisch abgründig zu werden. Stattdessen gibt man sich mit einer Hochglanz-Optik zufrieden, die Kameramann Bradford Young nur in wenigen Momenten aufzubröseln und mit Schmutz zu durchziehen weiß und inhaltlich gibt es eben die Bösen, die vermeintlich Bösen, die eigentlich gut sind und die Guten, Han Solo eingeschlossen. Die moralische Ambiguität, die dieser Charakter noch in vorigen „Star Wars“-Filmen in sich trug, bleibt hier auf der Strecke. Ja, der von Donald Glover vorzüglich verkörperte Lando Calrissian und Woody Harrelsons Tobias Beckett fallen ein wenig aus dem Schema, bringen einen kleinen doppelten Boden mit sich und wirken vielleicht auch gerade deshalb in diesem sonst so biedermännisch-moralisch geprägten Filmchen derart erfrischend.

„Solo: A Star Wars Story“ ist dabei inhaltlich nicht langweilig im Sinne davon, dass der Film lang währt, sondern in dem Sinne, dass er schlicht uninteressant und altbekannt ist. „Solo: A Star Wars Story“ mag der Saga nichts neues hinzuzufügen, bleibt außerdem ärgerlich oberflächlich. Han Solo muss eben der Held sein, weshalb man Abgründe der Figur nicht beleuchten kann. Oberschurke Dryden Vos muss eben der Fiesling sein, weshalb man humane Aspekte der Figur nicht beleuchten kann. Und so zieht sich die Oberflächlichkeit durch die gesamte Produktion. Warum sind Han und Chewbacce dicke Freunde? Nach dem Film weiß man nicht zwingend mehr. Ja, man sieht das Treffen. Aber ein tiefschürfender und nachvollziehbarer Aufbau dieser ikonischen Freundschaft findet nicht statt. „Solo: A Star Wars Story“ ist ein Film, der einem lieber Tatsachen vorsetzt statt sie zu schaffen.

Übrigens: Disney hat sich nicht lumpen lassen und ordentlich Geld in das Produkt gesteckt, ist es doch der kostspieligste „Star Wars“-Film aller Zeiten. Und was soll man sagen: es macht sich bezahlt. Emilia Clarke sieht in jeder einzelnen Szene atemberaubend aus. Dafür ist sicher viel Geld draufgegangen, für brachial-gewaltige, in den Kinosessel drückende Action war anscheinend ja keines mehr da.

Eine Randbemerkung noch: „Solo: A Star Wars Story“ hat eine Figur, einen weiblichen Droiden, die sich gegen die Bevorzugung der Menschen und für die Gleichberechtigung der Droiden einsetzt. Diese Figur ist dermaßen überspitzt und überzogen dargestellt, dass sie unmöglich ernstgemeint sein kann und da stellt sich natürlich schon die Frage: werfen die Macher hier einen kritischen Blick auf reale, dem ähnelnde Bewegungen? Schade wäre das nämlich, waren die letzten beiden „Star Wars“-Filme doch mehr oder minder emanzipatorisch veranlagt, aber endgültig beantworten kann und will der Rezensent diese Frage an dieser Stelle auch gar nicht. Schade ist nur, dass dies der diskussionswürdigste Punkt am Film ist.

Abschließend bleibt eigentlich nur zu sagen: Disney hat aus „Solo: A Star Wars Story“ einen guten Marvel-Film gezimmert. Unterhaltsam ja, aber zugleich äußerst langweilig.

4.0 von 10.0

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