Deadpool 2

Hallo. Ich bin Deadpool und schreibe nun die Review zu meinem neuen Meta-Meisterwerk. Der Rezensent ist leider verhindert. Wie jetzt? Was witzigeres ist dem Autor nicht eingefallen? Schwach. Nachdem nun der obligatorische „Meta-Witz“ (wo da die Meta-Ebene stecken soll weiß wahrscheinlich nur der liebe Gott selbst) abgehandelt ist und der Rezensent wieder anwesend ist, können wir uns nun etwas widmen, was bei der Besprechung von „Deadpool 2“ ein Sakrileg zu sein scheint: einer ernsthaften Rezension.

„Deadpool 2“ ist, ähnlich wie der erste Teile eine „rotzfreche“, „räudig respektlose“ und „turbowitzige“ „Anarcho-Komödie“, so wird es zumindest wahrscheinlich die DVD-Verpackung in einigen Monaten sagen. Doch was verbirgt sich hinter dem spät-pubertären Humor und dem ständigen, bemüht-respektlosen treten auf wesentlich komplexere und feinfühligere Filme? „Nichts“, wäre eine ernüchternde Antwort und wird sicher auf häufig genug genannt werden. „1 Fillm mus nua gut sain vong Umterhaltugsmwert her!!!!“, wird eine andere Fraktion proleten.

Die Wahrheit liegt nun, wie so oft, in der Mitte. „Deadpool 2“ nämlich hat, anders als der hüftsteife erste Teil, zumindest einen gewissen Schauwert. David Leitch erweist sich als formidabler Regisseur für einen Film dieser Art und wenngleich er wohl nicht vom Formate seine „John Wick“-Partners Chad Stahelski zu sein scheint, so inszeniert er doch die ein oder andere schöne Actionszene und findet in seinem Film ein flottes Tempo und einen bestimmten Flow, der in seiner Abstimmung aus Schlägen und Schüssen und treibendem Score in seinen besten Momenten wohlig an „John Wick“ erinnert.

Auf der Haben-Seite steht ebenfalls Josh Brolin als Cable. Herrlich ernst, herrlich fies und doch einigermaßen solide motiviert. Während der Erstling noch mit einem Abziehschurken langweilte bietet Numero Zwei also einen Antagonisten, von dem sich der ein oder andere MCU-Klopper eine Scheibe abschneiden könnte. Wenn man von gelungenen Charakteren im Rahmen von „Deadpool 2“ spricht, kommt man nicht drumherum, auch die Superheldin Domino zu erwähnen, die dem roten Pubertier mit Krebs charmant die Show stielt. Wenn man bei einem Film dieser Art eine gelungene Besetzung hervorheben will, dann ist definitiv sie. Soweit zu den eindeutig positiven Aspekten des Films.

Auf einer inhaltlichen Ebene betrachtet erweist sich die Bewertung nämlich als deutlich schwieriger. Da muss man natürlich den Humor nennen, der bei einer Komödie ja oberflächlich betrachtet das Kernelement ist. In „Deadpool 2“ ist dieser, wie bereits im ersten Teil, ein zweischneidiges Schwert. Zynisch ist er und ein menschenverachtendes Momentum lässt sich ebenfalls in ihm finden, aber gerade letzteres lässt sich ja auch kaum vermeiden, wenn man ein Genre, das den normalen Menschen letzten Endes doch mehr oder weniger auf Kollateralschäden reduziert und dementsprechend verachtet, konsequent überzieht und zuspitzt.

Auf der anderen Seite ist der Humor, wenn man zur Zielgruppe gehört, eben doch auch „turbowitzig“. Doch was ist die Zielgruppe von einem Film wie „Deadpool 2“? Es ist, und das macht der Film in jeder einzelnen Szene klar, ein Publikum, dass die Blockbuster- „Kultur“ der postmoderne bierernst nimmt und mit einer gewissen Antizipation kommenden Bleigiganten entgegensieht, anstatt diesen einfach nur ein müdes Lächeln zu schenken. Und so verweilt „Deadpool 2“ in all seinen Referenzen in postmodernen Gefielden, es werden „Klassiker“ und kontemporäre Blockbuster ausgeschlachtet bis zum geht nicht mehr. Wie bereits gesagt, gehört man zum an postmoderne Sehgewohnheiten gewöhntem Publikum ist das fabelhaft unterhaltsam, jeder andere darf sich hier gerne an die Stirn fassen.

Aber auch auf narrativer Ebene lässt sich kein eindeutiges Urteil treffen. Das Narrativ von „Deadpool 2“ vermengt „Logan“ mit Elementen der „Terminator“-Reihe und eben dem eigenen Humor. Dabei heraus kommt ein Film, der eigentlich eine solide Geschichte erzählt und mitunter emotionale Töne anschlägt, aber jedweden Versuch der Feinfühligkeit gnadenlos torpediert und in letzter Instanz keinerlei Konsequenz aufkommen lässt. Der Film lässt den dramatischen Schicksalsschlägen auch einfach keine Zeit, einzusinken und ihre Wirkung auf das Publikum zu entfalten. Dieses Problem ist sicherlich in der DNA des titelgebenden Charakters verankert, aber trotzdem hätte eine gewisse Reduktion in manchen Szenen wahre Wunder gewirkt.

Falls man den Film wirklich zerfetzen will, kann man übrigens auch anmerken, dass er sich stark an Genre-Konventionen hält, die er oberflächlich zu Brechen vorgibt. „Deadpool 2“ ist letztlich wie kaum ein anderer Film auf Zeitgeist und Zuschauerschaft abgestimmt und bedient genau das.

Es ist ja normalerweise vermessen zu sagen, ein Film wäre für ein bestimmtes Publikum produziert worden. Aber bei diesem Fall stimmt es einfach und ob man dazugehört oder nicht, was letzten Endes entscheidend für das Empfinden während der Sichtung des Films ist, ist zu einem gewissen Teil auch Glückssache.

6.0 von 10.0

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