Feinde – Hostiles

Der Farmer werkelt und schafft auf der Terrasse seines kleinen Hauses, die Frau und die drei Kinder im Haus widmen sich Lektionen des Lebens. Das Haus selber ist lokalisiert in einem Tal, umgeben von Wald und Staub. Die Sonne scheint, das kaum vorhandene Grün ist saftiger denn je. Dies ist sie also, die Idylle, die Romantik des wilden Westens, die schon Generationen von Kinogängern in Träumen schwelgen ließ. „Hostiles“ unterbricht dieses Idyll jäh; mit blutiger Gewalt entweicht die poetische Fantasie, aus der zauberhaften Ruhe wird Totenstille.

Von traumhafter Romantik bleibt die nächsten zwei Stunde keine Spur mehr, der Zuschauer darf stattdessen von Romantik träumen. Scott Coopers Western konzentriert sich stattdessen auf Tod und Schmerz, Qual und Pein. Es ist ein Film von bedrückender, nahezu erdrückender Melancholie, der sich selbst und seinen Figuren Momente des hoffens und des freuens vergönnt. Stattdessen behandelt „Hostiles“ das Leid, dass allumfassend seine Schwingen ausbreitet und früher oder später über jeden hinweg zieht.

„Hostiles“ ist ein Film über zwei Gruppen Menschen, die sich gegenseitig unfassbares angetan haben und nun damit leben müssen. Hass, Schuld, dass sind die Themen; mangeln hingegen zeigen sich Liebe und Wiedergutmachung. Vergebung gibt es in der Welt von „Hostiles“ nicht, lediglich ein Überwinden des Hasses. Und so ist „Hostiles“ letzten Endes ein erschlagender Film, der in harten Bildern von noch viel größerer Härte berichtet. Es bleibt dabei leider allzu häufig ein zwischenmenschliches Momentum auf der Strecke. Ja, es gibt die Szenen der Annäherung. Sicher, es gibt die Szenen des gemeinsamen Trauern. Natürlich, es gibt die Szenen des Scheiterns. Aber die Spontanität des Zueinanderfindens geht Coopers Werk völlig ab.

So bleibt ein monumentaler Koloss des sich-schlecht-fühlens, der mit unbeirrbarer Gewissheit weiß, dass Feinde freundschaftlich nur ein Grab teilen können und dementsprechend ausufernde Verluste unter den Figuren zu verzeichnen weiß. So ist es aber auch passend, da die Gewalt der Vergangenheit doch zugleich auch die Gewalt der Zukunft ist. „Hostiles“ kann dahingehend auch sehr leicht als pessimistischer Film verstanden werden, der aus der Spirale des verfeindet-seins keinen Ausweg aufzuweisen zeigt.

Tatsächlich aber findet dieser höchst depressive Film in seinen letzten Einstellungen aber doch einen Weg, und dieser ist der Mut, Glück in Diversität zu suchen. So findet der Film zum Schluss doch zum zärtlichen Traum zurück.

7.0 von 10.0

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