Avengers Infinity War

10 Jahre Marvel Cinematic Universe kulminieren in einem Film. „Avengers Infinity War“ ist im Voraus als DAS Event des MCU beschrieben worden. 10 Jahre, 18 Filme von doch durchwachsener Qualität und dutzende mehr oder weniger interessante Figuren treffen in diesem Film aufeinander.

So ist es kaum überraschend, dass „Infinity War“ sich nicht immer wie aus einem Guss anfühlt. Zu oft springt der Film im Ton, zu oft werden Witze eingestreut, die nicht nötig wären, sich aber eben aus der Situation ergeben und zu oft folgt der Film Geschichten von Charakteren, die nicht zwingend spannend sind. Und sicher, wenn man will kann man dem Film noch viel mehr ankreiden. Er ist, natürlich, heillos überfrachtet; er fühlt sich, trotz der Menge an Figuren, ein gutes Stück zu lang an und vor allem fehlen ihm die Bilder. Die großen Bilder, die bedrohlichen Bilder, die Bilder, die den Horror des bevorstehenden Genozids intensiv verdeutlichen. „Infinity War“ kreiert eine hoffnungslose Atmosphäre, es gelingt ihm hervorragend, vom Aufbäumen der Helden zu erzählen, aber auch von der bedrückenden Akzeptanz, dass der Massenmord unabwendbar ist. Aber es fehlt an Bildern, die diesen bleiernen Nihilismus ausdrücken, es fehlt auch an Actionszenen, die durch ihre schiere Wucht vom Tod zu zeugen wissen.

Mit all diesen Schwächen kommt der Film der Russos daher, aber er kann sie mit drei Dingen zu Teilen kompensieren. Zum einen ist es die schiere Aufregung, die ein Crossover dieser Art mit sich bringt. Man muss dem MCU mit Skepsis gegenübertreten, und nichtsdestotrotz fühlt es sich besonders an, all diese Figuren auf einem Haufen zu sehen. Diese Grundspannung allein reicht aber selbstredend nicht, um einen Film zu tragen, besonders nicht einen Film, der solch eklatante Schwächen aufweist.

Zum Glück aber hat der Film auch noch mehr zu bieten. Thanos nämlich. Der wahnsinnige Titan ist der Motor der Handlung, er ist aber auch das Herz des Films. Er ist etwas, das kein bisheriger MCU-Film bieten konnte: ein guter Antagonist. Es war bereits im Voraus klar, dass „Avengers Infinity War“ mit Thanos stehen oder fallen wird. Und, zum Glück muss man sagen, steht das unverrückbare Kraftpaket sehr fest. Thanos nämlich ist, wie bereits erwähnt, mehr als nur der Antrieb der Handlung, mehr als nur das fiese CGI-Monster, dass es zu besiegen gilt. Er ist der eigentliche Protagonist dieses Films und er ist der Charakter, mit dem man am ehesten mitzufiebern vermag. Thanos nämlich, gleichwohl wahnsinnig und in seinen Taten erschreckend, ist im Vergleich zu den mitunter blassen Rächern ein wirklich interessanter Charakter, ein spannender Charakter, dessen Szenen zu fesseln vermögen. Am besten ist „Infinity War“ nämlich immer dann, wenn er sich von den mächtigsten Helden der Welt abwendet und sich auf den lilanen Hühnen fokussiert. Thanos ist, und das ist gerade im MCU ein absolutes Unikat, eine Naturgewalt; sowohl physisch unaufhaltsam, aber auch zu großen, tiefen Gefühlen fähig.

Ohne Thanos, der die Stille des Todes mit sich bringt, bietet „Avengers Infinity War“ vor allem eines: Lärm. Manchmal wuselig unterhaltsamen Lärm, häufig aber auch ermüdenden und erschlagenden Lärm. Umso erfreulicher ist dann die dritte große Stärke, die dieser Film mit sich bringt. Es ist nämlich die Stille, die der Finale Akt in sich birgt. Auf den tosenden Lärm folgt in den letzten Minuten eine erschreckende, aber auch befremdlich schöne Stille. Die Russos, die zuvor immer nur Farbe auf die Leinwand geschüttet haben, in der Hoffnung, dass daraus Kunst wird, zeichnen in diesen Minuten erstaunlich feine Striche, führen den Pinsel bedächtig über die Leinwand. „Avengers Infinity War“ entfaltet als erster MCU-Film überhaupt eine leichte Poesie und findet den Horror, aber auch das bedächtige und erlösende in der Stille.

Die After Credits Szene deutet leider bereits schon an, dass der Lärm wieder Einzug halten wird und die Tatsache, dass bereits etliche weitere Marvel-Filme angekündigt wurden bestätigt das leider nur. Aber bis dahin darf man noch etwas die Stille genießen.

6.0 von 10.0

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