Zum internationalen Frauentag

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Wird jetzt alles gut in Hollywood? Immerhin: „Wonder Woman“ gehört zu den erfolgreichsten Filmen des letzten Jahres, #metoo deckte eine Menge Schmutz auf und die Frauen Hollywoods präsentierten sich einiger und schlagfertiger als je zuvor.

Die Geschichte der Frauen in Hollywood ist eine lange und keine schöne. In seiner Anfangszeit war das Frauenbild Hollywoods selbstverständlich vom Sexismus der Zeit geprägt. Weibliche Figuren waren besonders Anhängsel, Liebchen oder, ganz nach Nietzsche, hinterhältige Manipulatoren, die mit Gefühlen und Gedanken spielen. Ein weiteres Problem, dass bis heute anhält, ist das der Bezahlung. Männer in Hollywood haben, und tun es immer noch, im Schnitt wesentlich mehr verdient als Frauen.

Doch auch an starken weiblichen Figuren mangelte es lange. Was aber macht denn eigentlich eine starke weibliche Figur aus? Ist die Femme Fatale nicht eine solche? Nach dem Bechdel-Test verfügt ein Film bereits über „starke“ Frauenfiguren, wenn es zwei Stück im Film gibt, beide einen Namen haben und sie sich über etwas anderes als einen Mann unterhalten. In der Datenbank des Bechdeltests sind 7606 Filme eingetragen, von denen gerade mal 57.7% den Test in allen Kategorien bestehen. Bezeichnend.

Das tragische daran ist, dass der Bechdel-Test nicht einmal Ansatzweise tief genug greift. Um eine starke Frauenfigur zu verstehen, müssen wir verstehen, was eine starke Figur allgemein ausmacht. Vielleicht hilft dahingehend die Überlegung des französischen Philosophen Jean-Paul Sartres, der eine Person, die unabhängig von anderen frei nach ihren eigenen Interessen handelte, als „authentisch“ bezeichnete. Als „unaufrichtig“ sah er all jene Menschen, die sich bemühten, eine bestimmte Rolle auszufüllen. Übertragen kann man das auf das Medium Film wie folgt: stark sind all jene Figuren, die authentisch sind, also unabhängig von anderen ihre eigenen Interessen verfolgen und dabei nicht eine bestimmte Rolle ausfüllen.

Und hier fängt das Problem an: Hollywood verfügt nämlich kaum über Frauencharaktere, die dieses Kriterium erfüllen. Denn selbst wenn sie im Film an etwas anderes denkt, als an einen Mann, so sind viele Frauen, besonders im Blockbuster, immer noch Stereotype. Es gibt da die klassische „Damsel in Distress“ und, seit „Alien“, auch die knallharte Actionheldin.

„Alien“ übrigens ist ein sehr gutes Stichwort. Dieser Film nämlich gab uns einen der bisher stärksten weiblichen Charaktere. Ellen Ripley nämlich ist nicht „Frau“, sondern „Mensch“. Natürlich behält sie sich eine gewissen Weiblichkeit, aber sie ist eben ansonsten menschlich durch und durch. Ellen Ripley ist kein Stereotyp, sondern eine eigenständige Figur. Sie muss keine als typisch weiblich geltenden Punkte erfüllen, sondern darf ganz einfach eine richtige Person sein.

Aus Ellen Ripley wurde leider der Stereotyp der Actionheldin entwickelt, der vor allem in den letzten Jahren in Blockbustern immer präsenter wird. Einige feiern das als Erfolg für den Feminismus. Das ist er aber nicht, denn: genau wie im Film Noir die Frau auf die Rolle der Femme Fatale reduziert wurde, wird sie nun auf die Rolle der eiskalten Killerin reduziert. Das Problem bleibt das gleiche: Weibliche Figuren werden immer noch auf bestimmte Rollen reduziert.

Sicher, es wird langsam aber sicher weniger. Aber dieses Problem ist immer noch vorhanden. Genauso wie das Problem der ungleichen Bezahlung. Oder das Problem der ungleichen Repräsentation. Erst letztens zeigte eine Studie, dass die Anzahl weiblicher Hauptrollen 2017 im Vergleich zu 2016 zurückgegangen ist. Trotz Hits der Marke „Wonder Woman“.

Sicher, #metoo war ein wichtiger Schritt. Ein Schritt gegen den sexuellen Missbrauch. Aber man sollte sich nicht darauf ausruhen. Gerade am internationalen Frauentag ist es auch wichtig, daran zu erinnern, dass die Frau in Hollywood immer noch schlechter da steht als der Mann. Deshalb sollte als nächstes der Kampf gegen ungleiche Bezahlung und Repräsentation und ganz besonders der Kampf gegen die Reduktion auf bestimmte Rollen und Stereotypen aufgenommen werden. Es gibt viele gute Filme, die genau dagegen ankämpfen. Es müssen noch viel mehr werden.

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