Black Panther

„Black Panther“ ist der beste Film überhaupt! So heftig! Die Themen Wut und Verzweiflung werden hier tausendmal besser behandelt als in „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“! Dieser Film ist das wichtigste politische Statement seit Marx‘ Manifest! Er ist das wichtigste Denkmal der Gleichheit der Menschen seit Lincolns Beendigung der Sklaverei! Der Film ist inhaltlich und ästhetisch völlig anders als alle anderen Marvelfilme! Oscar für bester Film sollte drinnen sein! Nach diesem Film wird man sprachlos das Kino verlassen ob der überragenden Qualität… Unsinn!

Und doch wird „Black Panther“ genauso von allen Seiten beworben. Man hätte vielleicht sagen können, dass dies ein weiterer Film aus der Marvel-Konserve sei. Das dies erneutes Retorten-Kino der Traumfabrik wäre. Das MCU-Fans auf ihre Kosten kommen könnten, dieses Produkt aber von großem, wahrhaftigen Kino weit entfernt sei. Denn, seien wir mal ehrlich: „Black Panther“ ist nun wirklich nichts großartiges, nichts bewegendes. Zugegeben, die Schauspieler leisten wirklich solide Arbeit. Zugegeben, Kendrick Lamars Musik, insbesondere „All the Stars“ ist wirklich gut. Und selbstredend, ein Film von Schwarzen über Schwarze ist ein wirklich wichtiges Signal, besonders, wenn dieser einen großen Erfolg hat.

Aber „Black Panther“ scheint sich gar nicht wirklich für den Kulturkreis, in dem er spielt, zu konzentrieren. Afrika hat eine unglaublich reichhaltige Kultur und einiges wird hier sicherlich auch abgebildet, aber die realen sozialen und humanitären Krisen sind dem Film egal. Natürlich, sie werden instrumentalisiert, um eine platte Konservengeschichte etwas politischen Zündstoff zu verleihen. Ein aufrichtige Auseinandersetzung fehlt aber; gezeigt wird dem Publikum nichts. Stattdessen inszeniert Marvel hier ein besonders reiches Afrikanisches Land, dass in Nationalismus badet, rechte Abgrenzungsfantasieren voll auslebt, sich mehr um Probleme in den USA schert als um lokale und sich weigert, direkt vor Ort humanitäre Hilfe zu leisten. Wenn man wollte, könnte man „Black Panther“ sogar vorwerfen, Probleme durch bewusstes auslassen kleinzureden.

Völlig unabhängig, ob man in seiner Kritik so radikal wird oder nicht, einen Vorwurf muss sich „Black Panther“ auf jeden Fall gefallen lassen: das er, ob bewusst oder nicht, sehr heuchlerisch daherkommt und einen politischen Diskurs maximal antäuscht. „Schwamm drüber“, mag man jetzt vielleicht sagen, „Hauptsache der Film unterhält richtig krass!“ Aber auch dieses höchste Ziel des Popkulturellen Kinos erreicht der Film nur bedingt. Die Geschichte ist unglaublich vorhersehbar; hier offenbart sich übrigens auch eine Schwäche des Cinematic Universe Konzepts: dadurch, dass der Protagonist dieses Films bereits für den nächsten „Avengers“ bestätigt ist, entsteht kaum Spannung. Man weiß ja schon ungefähr, wie das Ganze enden wird, es muss ja alles für „Infinity War“ passen.

Bei der Visualisierung könnte man nun aber doch wirklich spannende Impulse setzen. Aber auch hier setzt „Black Panther“ lieber auf bewährte, saubere Sci-Fi-Utopie. Das ist einfach alles nicht spannend, nicht aufregend, sondern glattgebügelt, mit möglichst wenigen Ecken und Kanten. Was soll daran visionär, was soll daran besonders cinematisch sein? „Black Panther“ zu verreißen bereitet wahrlich keine Freude, denn er könnte so ein wichtiges Mahnmal sein und es waren hier doch so fähige Leute am Werk.

Besonders Ryan Coogler kann es besser; so war sein „Creed“ doch ein inspirierendes, motivierendes, brennendes Aufbegehren; so war sein „Creed“ doch ein wuchtiges und rasendes Stück Film. Aber auch der wirklich, wirklich starke Cast und vor allem auch die Millionen leidenden Menschen Afrikas hätten einen besseren, hätten einen leidenschaftlicher kämpfenden, einen unbequemeren, einen so viel mehr gegen Ungerichtigkeit wütenden Film verdient.

„Black Panther“ ist ein Schritt. Aber kein richtungsweisender.

4.0 von 10.0

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