Criminal Squad

„Criminal Squad“ klingt nach einem „Suicide Squad“-Rip-Off. Der Film, im Original wesentlich passender als „Den of Thieves“ betitelt, ist aber alles andere als das. Zum einen haben dieser Film und David Ayers Werk auf inhaltlicher Ebene kaum etwas miteinander zu tun, zum anderen übertrifft „Criminal Squad“ das Selbstmordkommando bei weitem.

Christian Gudegasts Regiedebüt ist am ehesten als „Heat“ auf Steroiden oder als „The Town“ mit einer ordentlichen Portion Synthol im Oberarm. „Criminal Squad“ ist also ein reißerisches B-Movie, dass besonders von seinen wuchtigen Actionszenen profitiert. Für einen Regiedebütanten inszeniert Gudegast wahrlich beeindruckende Action. Wuchtig, schweißtreibend, stets übersichtlich und wirklich schmerzhaft, gestützt von einem überragenden Sound.

Schade ist, dass Gudegasts Drehbuch sich nicht auf dem selben Niveau bewegt. „Criminal Squad“ nimmt sich eigentlich viel Zeit für seine Charaktere, trotzdem wirken sie unbegreiflich blass; „Criminal Squad“ nimmt sich eigentlich viel Zeit um seine Geschichte zu erzählen, trotzdem wirkt sie unfassbar flach; „Criminal Squad“ will letzten Endes auch viel intelligenter sein als er eigentlich ist. Als protziges BMovie, dass unbedingt „The Town“ sein möchte und stellenweise wirklich dreist aus „Heat“ klaut (teilweise sogar eins zu eins Dialoge!) ist „Criminal Squad“ eben sehr debil, aber auch mächtig unterhaltsam. Gudegast reicht das allerdings nicht, er forciert so manchen Twist und raubt dadurch diesem Proleten von Film ein wenig seine stumpfe Unschuld.

So täuscht „Criminal Squad“ vor allem sich selbst und versucht etwas zu sein, was er nicht ist. Selbiges, diesmal aber im positiven Sinne, versuchen auch die beiden Hauptdarsteller, Gerard Butler und Pablo Schreiber. Sicherlich, sie schaffen es nicht, in die Fußstapfen von Ben Affleck und Jon Hamm oder gar von Robert De Niro oder Al Pacino zu treten, und nichtsdestotrotz sind diese Beiden neben den wuchtigen Actionszenen das Hauptargument für den Film. Schreiber schafft es gut, den typischen Gansgter-Mit-Ehre zu verkörpern und Gerard Butler liefert wahrscheinlich eine seiner bisher besten Performances ab. Er ist älter, abgekämpfter, aber auch bulliger, aggressiver als gewohnt; als dreckiger Cop eine treibende, Respekt-einflößende Gestalt. Butlers und Schreibers gemeinsame Szenen sind voll von Testosteron und Adrenalin.

Mehr davon, mehr von der brachialen Action, viel mehr von Cliff Martinez‘ schweistreibenden Soundtrack und weniger bemühte Exposition und Cleverness und „Criminal Squad“ hätte eines der Action-Highlights des Jahres werden können. So bleibt leider ein prolliges, aggressives, durchaus spannendes B-Movie übrig, dass viel zu gerne „Heat“ sein möchte.

6.0 von 10.0

 

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