Your Name

Makoto Shinkai ist ein durchaus kontroverser Regisseur, nichtsdestotrotz zählt „Your Name“ zu den am meisten gehypten Animes der letzten Zeit. Von Kritikern gefeiert, vom Publikum verehrt, es reicht sogar für eine deutsche Kinoauswertung. Die Frage, ob „Your Name“ dem Hype gerecht werden können erübrigt sich, wie bei eigentlich jedem Film. Viel interessanter ist zu fragen, woher dieser Hype rührt.

Ja, der Film ist fantastisch animiert und ja, das Konzept ist durchaus kreativ und subversiv; des Weiteren hervorragend umgesetzt und sehr, sehr gut in die Geschichte implementiert. Groß macht den Film aber nicht das künstlerisch-ästhetische (das zweifelsohne so manchen Film in Ewigkeit zementierte) Element, sondern das emotional-menschliche. So berichtet „Your Name“ von zwei jungen Menschen; von ihrem Wachsen, von ihrem Fallen aber auch Wiederaufstehen, Weitermachen.

Sinnsuche ist ebenfalls ein zentrales Element. Kritische Zeitgenössen mögen die Figuren nun als „durchschnittlich“, die Themen als „banal“ bezeichnen, Enthusiasten wählen eher die Bezeichnung „aus dem Leben gegriffen“. Es geht in „Your Name“ eben um dieses Gefühlschaos, dass ein jeder irgendwann erfährt. Makoto Shinkai nähert sich diesem aber eben nicht nur durch platte Narration, sondern eben, und hier kommt dann doch die künstlerisch-ästhetische Ebene ins Spiel, vor allem durch die konkrete Umsetzung der Gefühle in fantastisch erdachte Szenarien.

So steht doch der Tausch der Körper sinnbildlich für das Gefühl der Entkörperlichung, der Entfremdung und der Horizonterweiterung, die einen jeden beim Erwachsenwerden begleiten. Pointiert und feinfühlig erzählt Shinkai dabei vom Wirr-Warr, vom Wechselbad der Gefühle und abstrahiert in seinem mitunter doch recht komplexen Plot im Endeffekt nichts anderes als menschliche Emotion, verpackt deren Essenz in Bilder und Plotkonstrukte; wirkt dabei aber keinesfalls forciert. Erst gegen Ende, mit voranschreitender Dramatik, kann Shinkai doch nicht widerstehen und muss dem Publikum mit dem Holzhammer Verzweiflung, Trauer und Hilflosigkeit einprügeln; die gesamte Audience zu Melodramatikern erziehen.

Aber das funktioniert, das funktioniert sogar gut und untermauert vor allem doch das Kernthema des Films. Wunderbar fällt das Finale aus: das Suchen, dass Nicht-Wissen, wonach man sucht, darin lebt „Your Name“ noch einmal richtig auf und weiß, wunderbar die Plan- und Ziellosigkeit seines Protaginisten umzusetzen.

Eine leichte Ironie schwingt da mit: ein Film, mit einem klaren Ziel, nämlich den Zuschauer möglichst stark in die Gefühlswelt eines Heranwachsenden zu involvieren, berichtet von einem Menschen, dem es an eben jenem mangelt.

7.0 von 10.0

 

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