Die Flop 10 der Filme 2017

Das Kinojahr 2017 hielt nicht nur starke Filme parat, sondern auch einige erstaunlich enttäuschende, ärgerliche und frustrierende Filme. Dementsprechend sollen nun also auch die besten der schlechtesten gewürdigt werden.

Platz 10: „Split“ von M. Night Shyamalan

„Split“ in einer Flop 10 zu nennen ist eigentlich unfair, denn schlecht ist er keines Falls. Wohl aber enttäuschend, ärgerlich und frustrierend, denn es wird nur ein Minimum des gegebenen Potentials ausgeschöpft und besonders in der zweiten Hälfte mäandert „Split“ teils unangenehm zwischen ernstem Psychodrama und Trash. Ein solider Film also, der aber leider Größe verpasst und deshalb so ärgerlich ist.

Platz 09: „Life“ von Daniel Espinosa/“Ghost in the Shell“ von Rupert Sanders

Um keine Flop 11 schreiben zu müssen, ist an dieser Stelle etwas gemogelt worden. Eine Doppelplatzierung also und tatsächlich kranken beide Filme auch an denselben Stellen: Es sind großartige Appetizer, beide sind ein schmackhafter Aperitif, fabelhafte Teaser auf kreative und spannende Geschichten. Mehr geliefert wird aber nicht, und so verlaufen die beiden Science-Fiction Filme irgendwo im Mittelfeld. Zwei Beispiele für eine Krankheit, die Hollywood lange befallen hat: Der Franchise-Wahn, in dem lieber auf eine Fortsetzung hingearbeitet wird, als eine eigene Geschichte zu erzählen. Im Falle dieser beiden Filme nicht einmal schlecht umgesetzt, aber dennoch, oder gerade deswegen, ist die Mittelmäßigkeit beider Filme sehr ärgerlich.

Platz 08: „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ von Pierre Coffin

Bisher bestand die Flop-Liste besonders aus Filmen, die aufgrund ihrer verpatzten Chancen ärgerten. 2017 bot aber auch genügend tatsächlich schlechte Filme und einer davon ist „Ich – Einfach unverbesserlich 3“. Was einmal als exzentrische, aber angenehm entschleunigte Kinderfilmreihe begann neigte sich schon im zweiten Teil bedenklich der Hollywood-Kind-Norm und mutiert im dritten Teil schließlich völlig zum hyperaktiven Coca-Cola-Film. Durchaus bewusst selbstironisch zeigt „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ die Zerstörung Hollywoods durch einen 80er Jahre Charakter aus der Konserve und belichtet damit eindrucksvoll aktuelle Prozesse; anstatt aber nun die normative Erzählstruktur auf den Kopf zu stellen oder bis zum schrillsten Exzess zu exzedieren, wie es zum Beispiel „The Lego Batman Movie“ tat, folgt der dritte Teil der Minion-Reihe ihr sklavisch und versinkt deshalb in Belanglosigkeiten und Red Bull Dosen.

Platz 07: „Die Schöne und das Biest“ von Bill Condon

Disneys Neuauflage von „Die Schöne und das Biest“ will ein romantisches Musical der superlative sein; in eine magische Welt soll der Zuschauer eintauchen, von zärtlicher Romantik sich das Herz erweichen lassen. Blöd nur, dass Bill Condons Romantik eher mit dem Holzhammer daherkommt, ohne jegliches Feingefühl und dabei mit einer Menge an plumpem Pathos angereichert. Immerhin: Gäbe es bei den Oscars eine Kategorie für die hüftsteifsten Musicaleinlagen, dieser Film würde ohne nennenswerte Konkurrenz gewinnen.

Platz 06: „Passengers“ von Morton Tyldum

„Passengers“ ist als Kreuzung aus „Titanic“ und „Gravity“ vermarktet worden und eine solche hätte sicherlich großes Potential zum modernen Klassiker gehabt. „Passengers“ erreicht aber weder das romantische Pathos noch die drängende Stürmischkeit von Camerons Klassiker und Cuaróns eindrucksvolle Bilder ahmt der Film nicht einmal im Ansatz nach. So bleibt nur ein gescheiterter Hybrid, der langweilig, mut- und kraftlos vor allem die Einöde des Alls eindrücklich vernäht.

Platz 05: „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ von Ry Russo-Young

Ein Zeitschleifen-Film im Murmeltier-Stil, dessen Konsequenz sicherlich beeindruckend ist, ansonsten aber wenig zu bieten hat. Der Film verpasst es, Empathie im Zuschauer zu wecken; bejaht außerdem, sicherlich ungewollt, Suizid und rechtfertigt seine eigene Blödheit auf groteske Art und Weise.

Platz 04: „Spider-Man: Homecoming“ von Jon Watts

Ein wichtiger Bestandteil von Heldengeschichten ist die Lernkurve, das Scheitern, das Wachsen, das Über-Sich-Hinauswachsen. „Spider-Man: Homecoming“ enthält nichts davon und reichert diese Leere mit der Marveltypischen Konservenästhetik und bemüht coolem Humor an. Spider-Man wird effektiv vom Menschen zur Marke reduziert.

Platz 03: „Die Hölle – Inferno“ von Stefan Ruzowitzky

„Die Hölle – Inferno“ ist ein grotesker Mix aus sozialkritischer Millieustudie und Rachetrash, der letzten Endes zu sehr in verallgemeinernde Kategorien abdriftet. Dem einen mag Ruzowitzky’s subversiver Stil gefallen, der Andere hab steht vor einem Scherbenhaufen und wird daraus nicht schlau.

Platz 02: „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ von Luc Besson

Das Scheitern „Valerian“s kann einem eigentlich nur weh tun: dieser Film nämlich war zum einen Luc Bessons Herzensprojekt, zum anderen die teuerste Independent-Produktion aller Zeiten. „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ ist am Ende aber leider trotzdem nichts anderes als ein Sternenbastard; das ungewollte Kind aller großen Science-Fiction Filme der letzten 30 Jahre. „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ hält sich aber vor allem für viel klüger als er ist und darf sich deshalb nicht der naiven Blödelei hingeben, die die stärksten Szenen des Films ausmacht.

Platz 01: „CHiPs“ von Dax Shepard

Und der Preis für den menschenverachtendsten, frauenfeindlichsten und frühpubertärsten Film 2017 geht an „CHiPs“! Dax Shepards Humor ist dermaßen ekelerregend, dermaßen langweilig, dermaßen bewusst auf provokativ und cool getrimmt, dass einem nur schlecht werden kann. Eingebettet werden diese geistigen Ausfälle in eine furchtbar Öde Geschichte, Sympathieträger sind zwei absolute Menschenfeinde. Das kann, soll und darf gar nicht funktionieren und tut es auch nicht.

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