Die Top 15 der Filme 2017

Das Kinojahr 2017 neigt sich langsam dem Ende zu und es wird Zeit, abzurechnen. Welche waren die besten Filme des Jahres?

Anzumerken ist hierbei, dass ich nach deutschem Kinostart vorgehe. Doch zunächst einmal die knallharten Fakten: 50 Mal war ich dieses Jahr im Kino; dabei habe ich 42 Filme die ihren regulären Kinostart dieses Jahr hatten gesehen. Die höchste vergebene Wertung an einen Film dieses Jahres waren dabei von meiner Seite aus acht Punkte; die niedrigste zwei Punkte. Insgesamt haben die Filme, deren regulärer deutscher Kinostart dieses Jahr war, von mir im Durchschnitt 6.2 Punkte bekommen; dies ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu meinen Durchschnittswertungen der letzten beiden Kinojahre (2015: 5.5 Punkte/2016: 5.9 Punkte). Doch reden wir nun nicht länger um den heißen Brei herum und kommen wir zu meiner Top 15 der Filme des Jahres 2017!

Platz 15: „King Arthur: Legend of the Sword“ von Guy Ritchie

Guy Ritchies neuster Film avancierte zum größten Flop des Kinojahres 2017. Berechtigt ist das Scheitern dabei nicht: Ritchies Film muss sich zwar vorwerfen lassen, an vielen Blockbuster-Krankheiten zu leiden; kompensiert diese aber mit selbstironischem Witz, der dabei nicht Ansatzweise so forciert ist wie der anderer Marken. Ritchies Film verfügt über einen einzigartigen Stil und vereint epileptische Kameraführung mit rasanten Schnittmontagen zu einem spannenden Erlebnis, nachdem man das Kino entweder mit der Kotztüte fest umklammert oder einem breiten Grinsen auf dem Gesicht verlässt.

Platz 14: „Moonlight“ von Barry Jenkins

Der Oscar-Abräumer gehört definitiv zu den besten Filmen 2017. Barry Jenkins erzählt feinfühlig Lebensepisoden eines jungen Schwarzen, der mit sich selbst und seinem Platz in der Gesellschaft interessiert. Jenkins macht aus diesem Szenario allerdings keine Rassismusparabel, sondern erzählt wunderbar vom heranwachsen eines jungen Menschen; porträtiert das Leben von seiner besten und seiner schlechtesten Seite.

Platz 13: „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin

Diane Kruger, die häufig eher belächelt wurde, wurde für ihre Leistung in Fatih Akins neuestem Film in Cannes ausgezeichnet. Und das absolut zurecht. Kruger vernäht in diesem erdrückenden, wütenden, aufbrausenden und zugleich doch sehr ruhigen Film eindrucksvoll die Verzweiflung, die Hilflosigkeit einer Frau gegenüber rechtem Terror und den Macken des deutschen Justizsystems.

Platz 12: „Planet der Affen: Survival“ von Matt Reeves

„Apepocalypse Now“ wurde Reeves Film vor Kinostart mit einem Augenzwinkern betitelt. Tatsächlich zieht aber der Vergleich mit „Apocalypse Now“. Ohne jemals wirklich an die Größe von Coppolas Meisterwerk heranzureichen, betrachtet Reeves doch auch den Krieg aus einer psychologischen Perspektive, dringt Reeves doch auch auf beeindruckene Weise in die Seelen der Kämpfenden ein. Reeves Film ist eine Reise in die Dunkelheit, beeindruckend verkörpert von Woody Harrelson und Andy Serkis.

Platz 11: „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ von Ang Lee

Auch Ang Lee widmet sich der Seele der Kriegsteilnehmer. Er zeichnet ein Bild von jungen Menschen, die nichts ahnend in die Krieg geworfen wurden und nun, da sie wieder in der scheinbaren Heimat sind, nicht loslassen können. Gleichzeitig aber ist Lees Film eine große Mediensatire, die den Pathos, mit dem die Soldaten in den USA zelebriert werden, ordentlich auf die Schippe nimmt.

Platz 10: „Blade Runner 2049“ von Denis Villeneuve

Wie schon sein Vorgänger Ridley Scott fragt auch Villeneuve nach dem menschlichen Sein ansich. Während bei Scott aber das Wunder, das Leben nämlich, noch allgegenwärtig war, versetzt Villeneuve seine Charaktere in eine starre, sterile und kalte Welt; eine Welt, die nie ein Wunder gesehen hat. Villeneuve sucht aber nach diesem. Er sucht nach dem Leben ansich und findet dieses am Ende auch; in Bildern von anmutiger, verstörender und glatter „Schönheit“ erfindet Villeneuve „Blade Runner“ neu – und kehrt gleichzeitig wieder zu altem, nämlich der Menschlichkeit, zurück.

Platz 09: „Get Out“ von Jordan Peele

Der Komiker Jordan Peele liefert mit seinen Regiedebut einen cleveren, einen urkomischen, einen beängstigenden Horrorfilm ab. Peeles Film setzt sich mit dem Rassimus auseinander, der die amerikanische Gesellschaft seit ihrem Beginn wie ein roter Faden durchzieht. Dabei verdeutlicht Peele eindrucksvoll, wie tief der Rassismus in der Gesellschaft verankert ist; ja wie er teilweise subtil und alltgäglich gelebt wird. Aus der Rassismuserfahrung eines Schwarzen zaubert Peele eine packende Horrorerfahrung.

Platz 08: „I am not your Negro“ von Raoul Peck

Pecks Film erzählt aus der Sicht James Baldwins von drei Männern, drei Vorreitern der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Peck verarbeitet den Rassismus der USA in bedrückenden Bildern; er erzählt von großer Wut, von großer Verzweiflung. Pecks Film ist eine traurige Abrechnung mit dem „American Dream“, er berichtet von der Aggression der Unterdrückten sowie der der Unterdrücker, von der Weisheit der Ausgestoßenen und von der Ungerechtigkeit einer Gesellschaft, deren Selbstbild völlig verzerrt ist.

Platz 07: „A Cure for Wellness“ von Gore Verbinski

Wasser und Wahnsinn, dass sind die Themen von Verbinskis neuestem Streich. Er fühlt sich an wie eine Hochzeit von Kafkas „Das Schloss“ und Kings „Shining“; dementsprechend ambivalent liest er sich auch. Verbinski reflektiert hier, wie das Wasser, er saugt auf, wie das Wasser, aber er ist auch unklar, verschwommen – wie das Wasser. In surrealen Bildern, unterlegt von trügerisch-harmonischen Melodien, erzählt Verbinski von Träumen und Wirklichkeiten und weiß dabei stets, dass die Grenze zwischen beidem, wie das Wasser, fließend ist.

Platz 06: „Live by Night“ von Ben Affleck

Ben Affleck verhebt sich an diesem Mammutprojekt ein wenig, bewältigt er doch die Rolle des Regisseurs, die des Autors und die des Hauptdarstellers. Und trotzdem ist Afflecks Film vor allem eines: eine zynische Betrachtung Amerikas, die in der Vergangenheit spielt, aber von der Gegenwart berichtet. Affleck ist nicht interessiert an Romantik, er zelebriert nicht den „American Dream“. Stattdessen beschäftigt er sich mit bitteren Wahrheiten; zeigt den Preis eines amerikanischen Lebens.

Platz 05: „John Wick: Kapitel 2“ von Chad Stahelski

„Movies are all about action!“, schrieb einmal ein Actionfan in einem sozialen Netzwerk. Chad Stahelski scheint das ähnlich zu sehen und seine Fortsetzung des Überraschungserfolges „John Wick“ folgt diesem Motto: der Film hangelt sich von einer fiebrigen Actionsequenz zur nächsten, verschnauft dazwischen nur wenig. Die kurzen Pausen nutzt Stahelski dann zum Aufbau einer faszinierenden Welt, in der Recht und Ordnung völlig fremd sind, aber dennoch ein strenger Kodex herrscht. Das Herz des Films ist aber definitiv die Action; und diese inszeniert Stahelski wie kein zweiter. Komplexe Choreographien reihen sich aneinander, ein kreativer Einfall überbietet den nächsten, John Wick bewegt sich unaufhaltsam durch die Reihen seiner Feinde.

Platz 04: „Star Wars Episode 8: Die letzten Jedi“ von Rian Johnson

Rian Johnsons „Star Wars“ polarisiert wie kein Teil der Sternensaga zuvor. Dabei ist Johnsons Film durchaus interessant: er dekonstruiert den Mythos „Star Wars“, er modernisiert ihn und lässt ihn am Ende, gewappnet für die Moderne, neu aufleben. Johnson konzentriert sich auf ambivalentes, auf gebrochenes. Er begreift die verführerischkeit der dunklen Seite wie keiner vor ihm und inszeniert diese dementsprechend.

Platz 03: „Dunkirk“ von Christopher Nolan

Christopher Nolan hat sich schon lange als Querdenker und Freigeist im modernen Blockbusterkino etabliert. An einigen Krankheiten litten seine Filme dennoch; dem Wunsch nach dem Twist zum Beispiel oder den stets zu extrovertierten Scripts. In „Dunkirk“ konzentriert Nolan sich nun auf seine Stärken: beeindruckende Bilder und eine großes Verständnis für den menschlichen Geist. Allen anderen Ballast wirft Nolan von Bord und erschafft damit einen wahrlich erschlagenden Film; einen Film, der einen in den Kinosessel drückt, der einen Krieg hautnah erleben lässt und nachhaltig erdrückt.

Platz 02: „Manchester by the Sea“ von Kenneth Lonergan

Ein Film über das Leben, wie das Leben. Lonergans Film wandert zwischen Freude, zwischen Trauer, zwischen den Zuversicht und Aussichtslosigkeit hin und her. Lonergan inszeniert dabei stets unaufgeregt, er zielt darauf ab, möglichst nah am Alltag zu bleiben. Unterstützt wird Lonergans subtile Emotionalität von Casey Afflecks überragendem Schauspiel, dass, wie Lonergans Inszenierung, stets subtil bleibt, auf den Punkt genau nuanciert.

Platz 01: „Logan – The Wolverine“ von James Mangold

James Mangolds Superheldenfilm ist ein Abgesang auf ein Genre; eine staubtrockene Whisky-Ballade und der längste Johnny Cash Song aller Zeiten. „Logan – The Wolverine“ erzählt von einem Mann, dessen Leben eine Tragödie war; von einem Mann, der seinen Zenit längst überschritten hat und seiner unendlich währenden Qual ein Ende bereiten will. „Logan – The Wolverine“ erzählt aber nicht nur vom Sterben, sondern auch vom Leben, vom Wiederaufleben. Spannend ist auch die Darstellung von Gewalt: für das Tier Wolverine ist sie der Motor, der es am leben erhält; der Mensch Logan verschleißt aber durch sie. Jedes mal wenn der namensgebende Held seine Krallen in seine Gegner stößt lebt er also kurz erneut auf – und marschiert immer weiter auf seine Ende zu. „Logan – The Wolverine“ ist ein Film voller Konsequenz, voller Gefühl. Ein Abschiedslied für einen emotioalen Krüppel; großartig gespielt von Hugh Jackman und Patrick Stewart.

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