Thor 3: Tag der Entscheidung

Die beste Szene in „Thor 3: Tag der Entscheidung“ ist zugleich auch die ironischste: Thor hält Loki dort vor, er würde sich nie ändern. Zwar habe er Phasen der Besserung, aber im Kern seiner selbst sei er immer der gleiche, unverändert, unbeirrt, aber auch vorhersehbar, auswechselbar.

Es bleibt zu spekulieren, inwiefern Taika Waititi in jenem Moment zum Publikum spricht, Thors Kritik an Loki könnte nämlich auch die Kritik eines Regisseurs am Studio sein, ist auf jeden Fall aber vor allem die Kritik eines Kinoliebhabers am System, ob bewusst oder unbewusst vom Regisseur angebracht sei einmal für irrelevant erklärt. Trotz dieser berechtigen Kritik muss selbstredend konstatier werden, dass Marvel das ein oder andere Bonmot im Portfolio hat, dass die Produkte der Filmfabrik doch ein ums andere Mal eine gewisse Unterhaltungsqualität aufweisen. So steht es auch mit „Thor 3: Tag der Entscheidung“.

Der Film deckt ein fantastisches Farbspektrum ab, ist turbowitzig, solide gespielt und von einem flotten, mitunter elektrisierendem Soundtrack untermalt, ein prächtiges Unterhaltungsvehikel also, keine Frage. Besonders Waititis Humor sei hier gelobt, exzeptionell im Marvel Cinematic Universe. Er macht nämlich häufig das Publikum direkt zum Adressaten, schreitet so manches Mal sogar auf die Metaebene und dekonstruiert geschickter als man glauben mag Genreklischees- und Konventionen. Zu schade ist es dementsprechend, dass sonst nur selten ausgetretene Pfade verlassen werden.

Marvel scheint hier doch zu ängstlich zu sein, um vom altbackenen Prinzip eines MCU-Films abzuweichen, „Thor 3: Tag der Entscheidung“ ist im Endeffekt also ein weiterer Formelfilm, der aber eben diese Formel fröhlich auf’s Korn nimmt, während er zeitgleich nach jener funktioniert und nur minimal abweicht. Hier muss der fairness halber erwähnt worden, dass „Thor 3: Tag der Entscheidung“ innerhalb der Handlung eine, im MCU doch seltene, Konsequenz an den Tag legt; er thematisiert mitunter äußerst fatale Schicksalsschläge für den Gott des Donners und spricht im Zusammenhang mit dem Charakter des Hulks dessen geschundene Psyche, eine duale Persönlichkeitsstörung, die Ängste beider Seiten des Wutriesen an.

Bedauerlich ist, dass es dem Film an druck- und bedeutungsvollen Bildern, die die Dringlichkeit, die Ausweglosigkeit der Situation vernähen, fehlt, es mangelt des Weiteren an echtem, authentischem Drama. Der Film verweigert sich konsequent ins melodramatische zu gehen; Shakespeare wäre hier ein großartiges Vorbild gewesen, man hätte ihn ja durchaus exzedieren können, passend zum Humor, bis zu einem Punkt, an dem das Melodram selbst zur Pointe wird. Stattdessen ist das Vorbild dieses Films eher „He-Man“ und so mangelt es an Größe. Immerhin, gerade bei der Betrachtung des Hulks offenbart sich doch eine gewisse Tragikkomik.

 

So geschieht es aber auch bei der Betrachtung des Films: Er nämlich hätte sich wohltuend vom restlichen Repertoire des MCU absondern können, die notwendigen Zutaten waren ja alle gegeben. Stattdessen aber begnügt er sich damit, ein Marvelprodukt zu sein, dass zwar über seine Schrullen verfügt, aber letzten Endes eben doch ein Marvelprodukt ist, ohne wenn und aber.

5.0 von 10.0

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s