Silent Hill

Keinen Mobilfunkempfang, von der Außenwelt isoliert, in einem gruseligen Städtchen gefangen, von Zombies und einer Menge anderem Monsterallerlei verfolgt und zu allem Überfluss auch noch von der Tochter getrennt. Ja, so schief kann ein Familienausflug doch gehen.

Und ja, „Silent Hill“ lässt in seiner ersten Viertelstunde kein Klischee des Horrorgenres ungenutzt. Der Film suhlt sich in Stereotypen und man mag ihn eigentlich schon als effekthascherische, unmotivierte Zitatsammlung stigmatisieren. Gehemmt wird man allerdings von der ungemein dichten Atmosphäre des Films. Silent Hill, der Ort, ist nämlich ganz famos gelungen in seinem Design. Und prozedieren rentiert sich, denn mit voranschreitender Laufzeit entpuppt „Silent Hill“ sich zunehmend als faszinierendes Porträt einer geschundenen Psyche.

Dieser Höllentrip attackiert den Zuschauer mit einer kaum ertragbaren Bilderflut, visualisiert auf groteske Art und Weise Kindheitstraumata. So werden aus ehemaligen grausige Gestalten, zerschundene Klumpen Fleisch oder monströse Widerlichkeiten. So löst Christophe Gans auch eine der prekärsten Herausforderungen einer Videospielverfilmung ganz wunderbar. Diese Herausforderung nämlich ist es, die Welt des Spiels, ihre Regeln, zum Teil auch ihre Bewohner, auf die große Leinwand zu adaptieren. Gans nun löst diesen Konflikt, in dem er einen großen Raum zur Interpretation offen lässt.

Alles, vom Klischeebeladenen Auftakt des Films bis hin zum kongenialen Schlussstrich, ähnelt dem in der Stadt Silent Hill omnipräsenten Nebel, wabert ungreifbar dahin, umhüllt den Zuschauer zärtlich, ist beim kleinsten Windstoß dahin und gibt Sicht auf das große Ganze – oder aber er verdichtet sich und wird schließlich völlig undurchsichtig. So hat man nimmer das Gefühl, dass Gans „nur“ ein Videospiel adaptiert, viel mehr fühlt „Silent Hill“ sich wie ein eigenständiges Kunstwerk an. Ästhetisch ist „Silent Hill“ ebenfalls sehr gelungen.

Die Gewalt ist durchaus sehr artifiziell geraten, aber es passt in diese morbide Welt, in der nichts wirklich echt und nichts wirklich unecht ist, die Musik schwankt stets zwischen subtilen Instrumenten und enervierendem Elektrogedudel. Das alles ist erstaunlich homogen, passen diese zwiespältigen Eindrücke doch zu der Kakofonie des Unfassbaren, die „Silent Hill“ entfesselt.

So ist es letzten Endes auch nur konsequent, dass dieser Film sich keineswegs eine Videospielverfilmung schimpfen muss, gleichzeitig aber Stolz vor sich hertragen kann, dass er der Beste seiner Art ist.

6.0 von 10.0

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