Es

Nach „Der dunkle Turm“ ist „Es“ bereits die zweite Stephen King Verfilmung, die dieses Jahr über die Leinwand flimmert. Auch wenn die Beiden Filme augenscheinlich nicht viel eint, so haben sie doch eines gemeinsam: als Adaption der Vorlage versagen sie auf voller Linie, als prächtige Unterhaltungsvehikel funktionieren sie hingegen ganz wunderbar.

So ist Andy Muschiettis „Es“ in erster Linie Komödie und erst in zweiter (seichter) Horror. Dementsprechend dürften Gruseljunkies am Ende auch einigermaßen enttäuscht sein. So kann „Es“ zwar durchaus Schauer über den Rücken jagen, wenn Bill Skarsgard als Pennywise mit hässlicher Fratze auftritt, dass ganze atmosphärisch dicht, gut bebildert, hervorragend musikalisch unterlegt, subtil aufgebaut und mit einem Knall aufgelöst.

Diese Momente sind in „Es“ aber doch eher selten und mit voranschreitender Laufzeit verkommt Pennywise immer mehr zum Zirkusclown. Von Subtilität ist dann kaum noch was zu merken, Horrorklischees (Spinnenweben, verräterisches Kameraperspektiven, verdächtige Schauplätze – alte, heruntergekommene Häuser zum Beispiel) werden voll ausgekostet und Bill Skarsgard kaspert sich in Over-the-Top-Spären in die sonst nur Nicolas Cage oder Jesse Eisenberg vorstoßen können, getrieben wird sein Pennywise dann auch noch von spastischen Zuckungen der ganz üblen Sorte.

Mächtig unterhaltsam bleibt das Ganze trotzdem, was zu Teilen Skarsgards Performance geschuldet ist, vor allem aber am omnipräsenten Humor liegt, der teils extrem flach ist und immer mit dem Holzhammer in den Zuschauer eingeprügelt wird. Das Herzstück Muschiettis King Verfilmung ist aber sowieso die Coming-of-Age Komponente, der Film ist also im Kern eine Geschichte über das Erwachsenwerden.

Dabei steht die Konfrontation mit den Ängsten der, durchaus sympathischen, jugendlichen Protagonisten gar nicht so sehr im Vordergrund, um diese Ängste glaubwürdig und greifbar zu vermitteln fehlt dem Film auch sowieso die Zeit, es geht stattdessen um Freundschaft und Zusammenhalt. So entwickeln sich die Beziehungen unter den Protagonisten auch glaubwürdig, es herrscht eine hervorragende Gruppendynamik. „Es“ ist auch immer dann am besten, wenn er sich der Dynamik in der Gruppe hingibt und ihre Interaktion mit der Teils erwachsenen Außenwelt beleuchtet. So beschleicht einen Teilweise das Gefühl, dass der Horroraspekt des Films nur Beiwerk ist, ein Plotdevice, dass die Truppe dazu bringt, gemeinsam zu agieren.

Ob dies nun positiv oder negativ zu betrachten ist, seid jedem selbst überlassen, für gute Laune sorgen tut es aber in jedem Fall. Ansonsten sei gesagt, dass „Es“ formal durchaus gelungen ist. Die Kameraarbeit ist sauber, die Bildsprache teilweise sehr gut, der Soundtrack bewegt sich ebenfalls auf einem hohen Niveau. Wirklich besonders oder herausragend ist die Form zwar nicht, sie bewegt sich aber im oberen Blockbusterdurchschnitt, der Film ist also durchaus ansehlich, gutes Handwerk, dass sich einigermaßen frei und ungezwungen anfühlt (obwohl am Ende bereits auf die obligatorische Fortsetzung verwiesen wird).

Wie die Form, so auch der ganze Film. Schon schön, letzten Endes aber doch nur Fast-Food. Zumindest aber beim Imbiss am Markt (der zwar Ambitionen nach Wachstum hegt, aber doch noch seine Schrullen hat) und nicht bei der großen Kette erworben.

6.0 von 10.0

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