Spider-Man Homecoming

Marvel Filme sind häufig nichts weiter als klassische Heldengeschichten. Das ist nicht zwingend schlecht, ganz im Gegenteil, eine klassische Heldengeschichte kann sogar etwas wunderschönes und belebendes sein. Doch was macht diese Heldengeschichte eigentlich aus?

Es ist das Versuchen, das Abmühen, das Scheitern, aber auch das Lernen, das Wachsen und das über sich Hinauswachsen. Und gerade letzteres ist der erhabenste Moment der Heldengeschichte. Der Held wächst über sich selbst hinaus, lernt aus seinem Scheitern und triumphiert letztlich deswegen trotz aller Hindernisse. Zu einer Heldengeschichte gehört aber mehr. Sie skizziert nämlich auch den Weg von der Selbstzentriertheit über das Versuchen, eigene Bedürfnisse und die Heldenaufgabe in Einklang zu bringen bis hin zur völligen Selbstaufgabe.

Diese Beiden Elemente machen eine gute, klassische Heldengeschichte aus. Der Weg vom Verlierer zum Gewinner nämlich ist die physische und mentale Reise des Helden, der Weg zur Selbstaufgabe hingegen ist der Pfad des Herzens, die emotionale Reise des Helden also. „Spider-Man Homecoming“ erzählt keine gute Heldengeschichte. Spider-Man scheitert nämlich nicht, niemals. Er muss nicht über sich selbst hinauswachsen, er muss nie den Schmerz des Versagens überwinden.

Entweder schafft er es nämlich trotz mangelnder Erfahrung, trotz mangelndem Trainings jedwede Gefahr zu überwinden, oder Kollege Iron Man rettet im letzten Moment die Lage. Peter Parke muss sich nicht weiter entwickeln, nicht physisch und mental, aber auch nicht emotional. Er ist bereits zu Beginn des Films völlig in der Heldenrolle aufgegangen, opfert sein privates Glück vollständig für das große Ganze. Dies ist bewundernswert, durchaus erhaben, aber verwehrt dem Film dadurch auch die Möglichkeit, einen großen Moment der Selbstaufgabe zu kreieren, da Spider-Man eben bereits von Beginn an nach diesem Prinzip handelt.

Nun verpasst es der Film leider auch, die emotionalen Konsequenzen eines solchen Lebens zu zeigen. Peter wirkt nur selten unglücklich, jeglichen Konflikt, der aus der Verletzung der Gefühle einer anderen Person entstehen könnte wird des Weiteren mit einem einfachen „Sorry“ Peters beendet. Somit bleibt man an dem Geschehen auf der Leinwand emotional völlig unbeteiligt, die Geschichte packt nicht, der Protagonist ist zwar sympathisch, aber man fiebert nicht mit ihm mit.

Beim Bösewicht des Films wird ebenfalls viel Potential verschenkt. Michael Keaton spielt zwar durchaus stark auf und seine Figur bewegt sich über dem Marvel-Durchschnitt, aber man verpasst hier die Gelegenheit, einen Charakter zu erschaffen, der Peter so ähnlich ist, dass er einfach nicht anders kann als sein Feind zu werden. Stattdessen ist Keaton nur Spider-Mans Feind, weil der Plot es so verlangt. Die Action ist dabei durchaus schlampig in Szene gesetzt, bietet zwar durchaus den ein oder anderen netten Einfall, ist aber insgesamt zu Struktur- und Blutlos, als das sie wirklich überzeugen könnte. Das Highschool Leben Peter Parkes gestaltet sich ebenfalls eher eintönig.

Auch hier darf er nicht über sich hinauswachsen, auch hier findet ausschließlich Stagnation statt. Es wird auf Bonmots, die den Film vom Marvelstandard abheben könnten, auf kindliche Verspieltheit und Naivität, verzichtet, krampfhaft behält man den Status Quo bei. Stillstand kann im Medium Film auch Bewegung heißen, hier heißt Stillstand aber Stillstand.

3.0 von 10 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s