Transformers 5: The Last Knight

Michael Bay bläst wieder zur Schlacht und ein letztes Mal (angeblich) Reihen sich unter seiner Regie Menschen und Transformers zur (vermeintlich) letzten Schlacht auf. So stehen sie, der letzte Ritter, die Nachkfahrin Merlins und die Autobots, geschlossen, entschlossen, und es gilt, nun einmal die größte Mission aller Zeiten zu bewältigen. Die Rettung der Welt vor der sicheren Vernichtung.

„Transformers 5: The Last Knight“ ist, wieder einmal, ein Bay’scher Pathos Film wie er im Buche steht, Überwältigungskino, dass im Finale den Zuseher in hochtrabendem Heldentum, dem ganzen dazugehörigen Schnick Schnack, einer brennenden Leinwand und dem bemühten Druck auf die Tränendrüse ertränkt. Dafür aber gibt „Transformers 5: The Last Knight“ sich durchaus unberechenbar, dass gigantischste Epos unserer Zeit nämlich verweigert sich der typisch Epochalen Erzählung, setzt stattdessen lieber auf liebenswerten Mystikquark, der natürlich vom souveränen Erklärbär Anthony Hopkins mehr schlecht als recht aufgedröselt wird, dabei natürlich auch immer mal wieder einen Transit vom jetzt auf die Vergangenheit vollzieht, zwischen Ritterpathos und Trunkenbold Merlin schwankt, sich logisch sowieso gar nicht mehr erklären lassen kann und will, aber dann doch zu viel Freude bereitet als das man ihm wirklich böse sein mag.

Nebenbei entwickelt „Transformers 5: The Last Knight“ sich auch noch zur augenzwinkernden Metareflexion über Bays eigenes Werk, mit dem omnipräsenten Sexismus, dem überzogenen Pathos wird liebevoll lächelnd abgerechnet, in der nächsten Sekunde allerdings erhebt Bay eben jenes wieder in den Hollywoodhimmel hinauf. Zwischen atemloser Action, gehetzter Narration und hauchdünnen Feminismus Ansätzen setzt Bay dann ja tatsächlich auch noch zur Konzentration auf seine Charaktere an und belädt das völlig überfrachtete Schiff dabei mit noch mehr Ballast als ohnehin schon.

Zum Glück aber steht hier doch etwas auf dem Spiel, dass Hinarbeiten auf das Grand Finale gestaltet sich zwar selten stringent, aber doch effektiv, dass große Ziel bleibt stets vor Augen, wird unter all den Bonmots der Ballerkirmes nicht vergessen und sorgt für die Nötige Dringlichkeit, die es braucht, um die Augen zu keinem Zeitpunkt vom, teilweise sogar angenehm reduzierten, Spektakel abwenden zu wollen. Bays filmischer Wahnsinn wird erst zum Ende hin tatsächlich berechenbar, obwohl jeglicher Twist in seiner schieren Blödheit wohl selbst bei einem Film dieses Formates nicht zu erwarten war.

Wenn dann aber wirklich das große Ballern losgeht, wenn dann aber wirklich die Heldentermini, die im Verlaufe des Films dutzende Male formuliert werden, auf die Figuren angwendet werden, dann ist jeder Fehler des fünften „Transformers“ vergeben und vergessen, denn dann gestaltet sich Bays neuester Fiebertraum zum mitreißendsten Actionspektakel des Jahres, dass in perfekt durchchoreographierten, formvollendeten 3D Bildern mit einer mächtigen Portion Pathos jeglichem Zynismus eine Absage erteilt, Wissenschaft und Logik in die Ecke stellt, den Glauben an das wahrhaftig Gute, an Fantasie, an die Menschheit ausführlich feiert und durchweg zum Staunen und Mitgrölen animiert. „Transformers 5: The Last Knight“ ist Überwältigungskino, mit schöner Selbstironie, die anders als bei Artverwandten Blockbustern tatsächlich funktioniert, auf das man sich einlassen muss.

Wenn man die Beklopptheit dieses Filmes allerdings einmal akzeptiert hat, dann bekommt man ein packendes Stück Actionkino vorgelegt, dass man in dieser konsequenten Inkonsequenz, in dieser radikalen Naivität, schon lange nicht mehr gesehen hat. Eben echtes Kino.

7.0 von 10.0

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