Wonder Woman

Ist „Wonder Woman“ der heilige Gral des Superheldengenres, der von allen Seiten angepriesen wird?

Natürlich nicht. Der Superheldenfilm ist inzwischen zu einem großen Teil saturiert und es gibt nur noch selten einen „Batman Returns“, „Man of Steel“ oder „Logan“, die dem Genre etwas neues, sowohl an politischer Dimension, emotionaler Tiefe und künstlerischer Größe, hinzufügen. Insofern überrascht es auch nicht, dass „Wonder Woman“ sich eher wie ein konservatives Stück MCU Kost, die sich in den letzten Jahren als Marktführer etablierte, anfühlt denn wie ein kontroverser, aber visionärer Zack Snyder Film.

Und in der Tat: „Wonder Woman“ krankt an vielen Krankheiten des Genres. Überlange Exposition, ein schwacher Bösewicht, familientaugliche Action, eher durchschnittliches Schauspiel und eine Menge Kitsch plagen den Film. „Wonder Woman“ beweist durchaus Mut, so wird mit dem ersten Weltkrieg doch ein eher unpopuläres Setting gewählt. Einen grausamen Kriegsfilm bekommt man dennoch nicht geboten, die Bilder bleiben immer harmlos und im Vergleich zu einem tatsächlichen Kriegsfilm fehlt es einfach an schierer Brutalität und druckvoller Inszenierung.

So erzählt „Wonder Woman“ zwar ganz viel vom schrecklichen Krieg, bebildert diesen aber nicht angemessen, sondern versucht eher mit Action aus dem Computer in Dauerzeitlupe zu beglücken. Und sicherlich, dass ist prächtig unterhaltsam und könnte auch ein wirklich großer Genuss werden, Patty Jenkins beweist aber doch zu wenig Fingerspitzengefühl.

Die Action, besonders die Slow Motion Einlagen, sind teilweise schlecht getimed, es fehlt an visuellen Highlights und Gewaltspitzen, die Zeitlupen sind inflantionär und teilweise nervig eingesetzt. Einige große Bilder gelingen „Wonder Woman“, keine Frage, aber man ist sich nie ganz sicher, ob die nun auf Genie oder reinem Glück beruhen. Richtig stark sein darf „Wonder Woman“ dann, wenn man sich vom Pseudokrieg abwendet, den sowieso nur halbherzig geführten moralischen Kurs beiseite legt und sich tatsächlich auf die Charaktere konzentriert. Die sind nämlich zwar nicht vollständig überzeugend geschrieben und gespielt, wissen aber zu überzeugen.

So ist Diana in ihrer Naivität wirklich liebenswert, Steve Trevor überzeugt hingegen als Held aus dem Bilderbuch. Ganz großartig ist der Film leider nur in wenigen Momenten, in diesen aber ist er wirklich mitreißenden und ganz, ganz wunderbar. In einigen wenigen Momenten nämlich rückt der Film allen unnötigen Ballast in den Hintergrund und der Kitsch darf grandiosem, ehrlichen Pathos weichen. Es sind diese kleinen und doch so großen Momente, die „Wonder Woman“ doch sehenswert machen.

Natürlich, die überzeugende Heldin trägt auch ihren Teil dazu bei, aber es sind besonders die Momente aufrichtiger Emotion, die leider viel zu selten im Film zu finden sind, die einem nicht mit dem Gefühl, einen Konservenfilm, sondern mit dem Gefühl, einen richtig guten Film gesehen zu haben, aus dem Kino gehen lassen.

Und auch wenn dem vielleicht nicht so sein mag, auch, wenn die Größe „Wonder Woman“s nur eine wunderschöne Lüge sein mag – man glaubt sie furchtbar gerne.

6.0 von 10.0

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