Ghost in the Shell

Was macht den Menschen aus? Verstand? Körper? Was spürst du ohne deinen Körper? Was macht es mit dem Verstand, wenn man den Körper nicht fühlen kann? Wie ist es, einsam zu sein, weil man einzigartig ist? Wie überlebt Menschlichkeit in einer Gesellschaft, in der die Grenzen zwischen Mensch und Smartphone zunehmend verschwimmen? Wieso sollte man sich überhaupt tiefgehende, philosophische Fragen stellen, wenn man auch ordentlich ballern kann? Rupert Sanders beschließt also, dass fette Action ausreicht und tatsächlich, „Ghost in the Shell“ ist ein Film mit fantastischer Action. Die Kulisse stimmt, die Gewalt ist pointiert und Sanders ist sich nicht zu fein, in jeder Sequenz etwas neues zu versuchen, um seine Baller- und Prügeleinlagen stets aufregend zu gestalten.

Das ändert leider nichts daran, dass „Ghost in the Shell“ im Kern seines Wesens mehr Konzept als Film ist. Verfasert und unstrukturiert erzählt der Film irgendeine Geschichte vom allerneusten bösen Konzern, seinen Opfern und denen, die sich gegen ihn auflehnen. Das überrascht nicht, dass wird der exotischen Kulisse nicht gerecht, dass wird der Grundthematik nicht gerecht.

Dabei ist der Film gehetzt, völlig überfrachtet, bemüht, nicht nur seine Hauptgeschichte zu erzählen, sondern auch an jeder Ecke ein potentielles Sequel zu etablieren. Von einem Plotpoint zum nächsten hetzt der Film, ohne Gespür für Suspense oder Gefühl hangelt er sich von einem Bleigewitter zum nächsten. Das macht durchaus Spaß, aber viel mehr Freude bereiten die viel zu rar gesäten, ruhigen Momente, in denen der Film entschleunigt und versucht, sich mit tragischen Einzelschicksalen zu beschäftigen oder in die faszinierende Welt einzutauchen. Eine halbe Stunde mehr davon, eine halbe Stunde mehr Tragik, eine halbe Stunde mehr staunen und „Ghost in the Shell“ wäre nicht nur ein guter „Prove of Concept“ sondern auch ein guter Film geworden.

So bleibt ein Aperitif, verpackt in ordentliche Action, der Lust auf ein Feuerwerk aus famosen Bildern, auf große Tragödie und eine fantastische Dystopie macht. Hier bekommt man das allerdings nicht.

5.0 von 10.0

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