Logan

Logan sitzt hinterm Steuer seines Wagens, schläft immer wieder ein, sieht aus, als hätte man ihn mehrfach durch den Fleischwolf gedreht, ist krank, vergiftet vom Adamantium in seinem Körper, hat alle seine Freunde verloren und weiß nicht mehr, wofür er lebt. Es deutet sich bereits an und wird spätestens dann klar, wenn „When the man comes around“ in den Credits anläuft: „Logan“ ist die längste Johnny Cash Ballade aller Zeiten.

„Logan“ ist der ultimative Abgesang auf Wolverine, seine Läuterung, seine Katharsis, seine Erlösung und sein Schlussakt. James Mangold gelingt es wunderbar, dass Gewicht, dass auf Logans Schultern lastet zu inszenieren. Hinter ihm liegt ein gewaltvolles Leben, dass er sich nicht ausgesucht, dass er nicht gewollt hat. Mangold begreift den Wolverine als leidenden Soldaten. Er hat den Krieg nie gewollt, nachdem er ihn aber ausgefochten hat, kennt und will er nichts anderes mehr.

Logans Moment der Katharsis ist also, als er seine Klauen wieder ausfahren muss, als der Held wieder benötigt wird. James Mangold begreift die Gewalt als schmerzhaftes Element, welches das Leben für Logan lebensunwert macht, aber eben auch als befreiendes Element, dass dem Wolverine eine Existenzberechtigung gibt. Ebenso wie Logan altert übrigens auch Charles Xavier, ihm ist das kathartische Momentum allerdings nicht gegönnt. Xavier ist nicht Würde gealtert, er ist krank. Der Verfall des einstigen Genies wird von Mangold als schallende Ohrfeige inszeniert. Aus dem großen Anführer ist ein verwirrter, rührseliger , alter Mann geworden, der äußerst grob von Logan umsorgt wird.

Mangold begreift Logan als emotionalen Krüppel, der nicht in der Lage ist, einer Person, die ihm am Herzen liegt, eben jenes zu vermitteln. Mangold bleibt dabei häufig angenehm subtil, er distanziert sich vom schwallenden Pathos des Vorgängers. „Logan“ setzt auf kleine Gesten und unterschwellige Gefühle. Für den einen mag das abgestumpft wirken, tatsächlich aber ist dies hochemotionales Kino, dass nur gesehen werden muss.

Hugh Jackman liefert als Wolverine hier auch seine bisher beste Performance ab und erreicht in dieser Rolle, die er ja auch in den vorigen Filmen äußerst ordentlich ausfüllte, wahr Größe. Seine Leistung ist häufig subtil, manchmal animalisch Wild, selten im angenehmen Maße over the top. Mangolds Abgesang auf den Helden ist trotzdem nicht fehlerfrei.

Er ist ein dramaturgisches Ungetüm, der Endgegner ist schrecklich, die Verhackstückelung einiger Figuren auf beinahe tragikkomische Art und Weise bedeutungslos und Boyd Holbrook ist ein charismatischer, aber belanglose Gegenspieler.

Die letzte Einstellung entschuldigt aber in ihrer simplen, wunderschönen Sentimentalität alle Fehler des Films. Dieses Ende hätte selbst Spielberg nicht besser hinbekommen.

8.0 von 10.0

 

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