Die Hölle – Inferno

Mittwoch, 20 Uhr, Kino. Das Publikum zittert und bangt. Es ist, wieder einmal, die Sneak Preview angesagt und wie üblich weiß noch niemand, was er gleich sehen wird. Die letzten Stoßgebete werden zum Himmel geschickt. Bitte, bitte, lass es einen guten Film sein ist der allgemeine Inhalt dieser. Dann, der Augenblick der Wahrheit. Die Leinwand öffnet sich und gibt den Blick frei auf…

Werbung und Trailer. Zehn Minuten später. Das Publikum ist immer noch angespannt. „Eine Produktion des ZDF“ heißt es plötzlich. Die ersten stehen auf, verlassen den Saal. Ist das der Film? Ja, ist er. Er trägt den Verheißungsvollen Titel „Die Hölle – Inferno“. Der jüngere Bruder sowie der Freund, der eben immer im Kino dabei ist, gucken enttäuscht. Ich beruhige sie: „Nicht jeder deutsche Film ist scheiße!“. Tatsächlich erfahren wir nur eine Sekunde darauf, dass der anlaufende Streifen auch aus Österreich stammt. Der Film beginnt. Das Publikum hält den Atem an, der Bruder und der Freund, der eben immer im Kino dabei ist, nicken zu frieden. Bei der ersten halben Stunde handelt es sich tatsächlich um einen schön gefilmten, gut gespielten und wirklich spannenden Krimi.

Doch dann, oh wei. Das Kino wird ergriffen von kollektivem Kopfschütteln über das forcierte Drama. „Warum sieht das so kacke aus?“, fragt irgendwann wer laut in die Runde. Durchaus überspitzt formuliert machte der gute Mann doch auf ein Problem aufmerksam: die Kamera verschlechtere sich im Laufe des Filmes zunehmend. Zu Anfang des Films noch schön eingesetzt um Spannung zu erzeugen, wird sie gegen Ende nur noch deswegen benutzt, weil man das Schaustück ja irgendwie festhalten muss. Gegen Ende ist es dann auch so weit und „Die Hölle – Inferno“ offenbart ein verborgenes Talent. Denn dieser Film ist weder Drama, noch Krimi oder sonst irgendwas, was er in den ersten 70 Minuten vortäuschte zu sein.

Nein! Es handelt sich bei ihm um die beste, wirklich die allerbeste Actionkomödie, die man seit langer Zeit im Kino sehen durfte. Nur leider eben unfreiwillig. Aber, was soll man machen? In all dem forcierten Drama und der bis ins lächerliche überzeichneten Gewalt lassen sich sonst, neben den soliden Darstellern, eben kaum Stärken verorten. Man nimmt also, was man kriegt. Kurz vorm Finale lässt sich übrigens ein weiterer, durchaus richtiger Einwand eines Kinobesuchers vernehmen: „Ich find’s zwar gut, dass die Protagonistin Moslem ist, aber ich find’s doof, dass der Böse auch ein Moslem ist.“

Dieser Fakt allein ist nun nicht weiter tragisch, ist es doch eine gute Möglichkeit, die Dualität und Ambivalenz der Religion darzustellen. Kritisch betrachten muss man eher die Tatsache, dass jeder Anhänger des Islams, mit Ausnahme der Protagonistin, in irgendeiner Weise negativ konnotiert wird. Generell strotzt der Film nur so vor unterschwelligem, aber auch ganz offensichtlichem Rassismus, wobei man letzteren auch als „Versuch von Humor“ abschreiben kann, während ersterer wahrscheinlich unbeabsichtig, aber nichtsdestotrotzt nicht weniger bedenklich ist.

War die Sneak Preview also erfolgreich? Ja. Der Film hat prächtig unterhalten, die 5€ Eintritt haben sich auf jeden Fall rentiert. Nur von ordentlichem oder gar gutem Kino fehlte jede Spur.

3.0 von 10.0

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