Colonia Dignidad

Religion ist Terror.

Mit dieser Erkenntnis möchte „Colonia Dignidad“ den Zuseher sicherlich gerne nach Hause schicken. Tatsächlich gelingt das auch einigermaßen, es ist aber nicht dem Film, sondern dem kurzen Infotext vor den Credits geschuldet. „Colonia Dignidad“ fehlt nämlich eben genau eines: der Terror. Der Film ist schön brav herunterinszeniert, bei so einem kontroversen Thema möchte man aber auch nicht anecken. Sicher, eine Peitsche darf man mal zeigen, die kennt das Publikum ja aber inzwischen auch zur Genüge aus „Fifty Shades of Grey“. Eine Gruppe Fanatiker, die eine junge Frau verprügelt? Sicher, dass kann man zeigen: aber man blendet im richtigen Moment ab.

Der Zuseher soll doch bitte nicht die Auswirkungen der ohnehin nur angedeuteten Gewalt zu sehen bekommen, es reicht doch auch, wenn grölende mitdreißiger auf ein junges Ding zustürmen, um zu wissen, dass die Kacke am dampfen ist. Kindesmissbrauch? Das ist durchaus kontrovers, also zeigt man es lieber nicht. „Colonia Dignidad“ belässt es bei einer, zu allem Überfluss auch noch harmlosen und oberflächlichen, Andeutung. Den Schrecken, das Grauen, dass in der Colonia Herrschte sieht man nicht. Stattdessen verlässt man sich auf Andeutung, Verweise. Sicherlich, auch das kann funktionieren, teilweise sogar viel besser als die explizite Darstellung. Das Geheimnis dazu ist dann aber Subtilität, eine schleichende Inszenierung, die langsam ins Bewusstsein kriecht. Wenn ich nun allerdings mein Publikum mit dem Holzhammer darauf aufmerksam mache, dass hier alles irgendwie nicht so toll ist, dann denkt man sich als Zuseher „Ja, dass ist alles hier irgendwie nicht so toll“, schockiert und erschüttert ist man dann allerdings nicht.

„Colonia Dignidad“ schafft es auch nicht, den Opfern ein wirkliches Gesicht zu geben. Daniel Brühl und Emma Watson werden als einzige Charaktere näher beleuchtet, dabei agieren beide auch nur okay. Am Ende überwiegt dann auch die Love Story. Warum sollte man denn echte Verzweiflung darstellen, wenn man auch True Love acten kann? Die Charaktere in „Colonia Dignidad“ sind einfach egal, die Inszenierung rüttelt nicht auf, sondern langweilt, dass narrativ ist nicht nur teilweise von „Argo“ ausgeliehen und der aufgesetzte Liebeskitsch dominiert den Film eindeutig.

Der Film ruft schon ein unangenehmes Gefühl hervor, aber eher, weil der Umgang mit den Opfern einfach respektlos erscheint, der Kitsch deplaziert wirkt und die ganze Aufmachung nicht von Feingefühl zeugt.

Dabei erkennt man immer wieder, dass ordentlich Schweiß in den Film investiert wurde, so sind Kulisse und Kostümierung hoch autentisch, Michael Nyqvist als Bösewicht spielt herausragend und Emma Watson sieht toll aus, nur bringt das alles nichts, wenn der Film bei seiner Inszenierung nie über die Standars hinauskommt und bei seinen Inhalten falsche Schwerpunkte setzt.

3.0 von 10.0

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