The Accountant

Ben Affleck befindet sich auf Oscar Kurs.

Die Transformation, die der Mann durchgemacht hat, ist schon beachtenswert. Angefangen hat er als RomCom Darsteller, der wegen seines Aussehens und nicht wegen seines Talents gecastet wurde. Dementsprechend spielte er dann auch auf. Sicherlich, es gab immer Lichtblicke der Marke „Daredevil“, aber erst nachdem er 2006 für „Hollywoodland“ eine Golden Globe Nominierung einheimsen durfte, mauserte er sich zum Charakterdarsteller. Inzwischen ist Affleck in der Topliga der Hollywoodmimen angelangt und befindet sich definitiv auf dem selben Niveau wie sein bester Freund Matt Damon und sein kleiner Bruder Casey Affleck. Mit „Batman v Superman“ hat er sich nun endgültig als großer Darsteller etabliert, doch „The Accountant“ beweist, dass Affleck auch abseits der Blockbustermaschinerie eine großartige Karriere vor sich liegen hat. „The Accountant“, dass könnte nun der Film sein, der Affleck den Weg zum Schauspieloscar, und seinem dritten insgesamt, bereitet.

Seine Performance des Autisten Christian Wolff ist absolut hervorragend. Affleck brilliert in der Rolle. Trotz der minimalistischen Mimik und limitierten Gestik ist es jederzeit ersichtlich, wenn Wolff verzweifelt ist oder ausrasten möchte. Affleck balanciert bei seiner Performance dabei auf einem schmalen Grad. So droht er in einigen Szenen zu versteinert zu spielen, in anderen wiederum bahnt sich tatsächlich overacting an. Tatsächlich rutscht Affleck aber nie ab und bleibt ständig glaubwürdig, ständig authentisch. Auch Gavin O’Connors Inszenierung ist eine Gradwanderung zwischen Reizüber- und unterwaltigung. Tatsächlich versucht O’Connor, seinen Film an das Innenleben seinr Figur anzupassen. Brodelt es in Affleck, so entfesselt O’Connor entweder ein Bleigewitter oder einen Stroboskoplichtangriff auf den Sehnerv, untermalt von penetrantem Heavy Metal. Ähnlich verhält es sich in Szenen, in denen O’Connors Protagonist unsicher ist und sich in sich selbst zurückzieht. Dort wird die Inszenierung deutlich minimalistischer, auch das Szenenbild ist in diesen Szenen stark reduziert.

Interessant ist, dass „The Accountant“, anders als andere Hollywood Filme über Autismus, nicht die Emotionen reduziert, sondern auf Maximum aufdreht. O’Connor und Affleck zeigen hier viel Empathie für ihren Antihelden und schaffen es tatsächlich, dass man als Zuseher einen emotionalen Zugang zur Figur findet. „The Accountant“ ist auch deshalb großartig, weil er nicht nur als Drama, sondern auch als Thriller funktioniert. Die Geschichte des Films ist wendungsreich und durchdacht, sie wird auf originelle Art und Weise erklärt. In dem mächtigen Figurengespann (neben Ben Affleck spielen auch Jon Bernthal, JK Simmons, Cynthia Addai-Robinson, Anna Kendrick, John Lithgow und Jeffrey Tambor eine größere Rolle) verliert dabei glücklicherweise nie die Übersicht.

Jeder Charakter hat seine eigene Geschichte und am Ende sind sie alle miteinander Verbunden. Neben Affleck ragen aus dem Ensemble besonders Jon Bernthal und JK Simmons heraus, deren Figuren ebenfalls mit einer hohen emotionalen Tiefe ausgestattet wurden. Gegen Ende hin wird „The Accountant“ dann ein knallharter Actioner. Ab einem gewissen Punkt kennt der Film keine Gnade mehr und es wird geballert, was das Zeug hält. Schön ist, dass dabei die Figuren nicht zu bloßen Bleipumpen verkommen und der Film keine klare Grenze zwischen Gut und Böse zieht, sondern eher die ganze Zeit mit Grautönen arbeitet. Der Endtwist mag dabei zwar vorhersehbar gewesen sein, ist aber trotzdem schön umgesetzt und erhöht die ohnehin hohe Emotionalität des Films noch einmal ein Stück.

Insgesamt ist es schön, dass es Filme wie „The Accountant“ gibt. Ein tolles Experiment, ein schöner Genremix, ein ambivalenter und emotionaler Film, der mit einem starken Ensemble aufwartet. Und das aus Hollywood!

8.0 von 10.0

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