Doctor Strange

„Doctor Strange“ ist der neueste Streich der Marvel Studios und natürlich hat der Film bereits bei den Kritikern den Ruf weg, die großartige Revolution des Kinos, ja ein moderner Meilenstein der Traumfabrik zu sein.

„Traumfabrik“ ist dabei als Bezeichnung ganz passend, Marvel gleicht doch vom Produktionsprozess der Film her einer Autofabrik. Die Teile sehen für gewöhnlich gleich aus und fühlen sich auch gleich an. „Doctor Strange“ hat nun auch ähnliche Schwächen wie andere Marvel Filme, etwa den forcierten Humor oder die allumfassende Inkonsequenz, aber in einem Punkt hebt er sich doch von anderen MCU Vertretern ab.

„Doctor Strange“ hebt sich angenehm von der Konservenästhetik Disneys ab und, versucht zumindest, eigene visuelle Reize zu setzen. Ganz großes Vorbild dürfte dabei Christopher Nolans „Inception“ gewesen sein, und tatsächlich ist auch die offensichtlich am meisten von „Inception“ inspirierte Szene die, visuell, beste des Films. Ansonsten verlässt sich Regisseur Derrickson zu sehr auf zusammenklappende Gebäude und bunte Farbströme im Stil von „2001“, dass ganze gemengt mit einem leicht ausgewaschenem Color Grading, dass stellenweise wohlig an Zack Snyder erinnert.

Somit ist „Doctor Strange“ rein filmisch zwar etwas anders als andere MCU Vertreter, für wirkliche Größe fehlt es dann allerdings doch an Vision. Zu häufig kopiert der Film sich selbst, ja im Finale verlässt er sich sogar ganz darauf, dass die bunten Farben den Zuseher beeindrucken. Inhaltlich ist es, leider, ein typischer Marvel Film. Wobei: zwei oder drei Leute dürfen tatsächlich das zeitliche Segnen, ansonsten kann Strange aber selbst als Meister der Magie die Zeit zurückdrehen und somit größere Katastrophen verhindern.

Das Drehbuch des Films weist dabei an vielen Stellen großes Potential auf, zu häufig werden allerdings billige Lacher großen Emotionen bevorzugt, im Finale erreicht der Film dann sogar eine Lächerlichkeit, die man so lange nicht mehr gesehen hat. Auch zum Charakter des Stephen Strange mag man keinen richtigen emotionalen Zugang finden: seine Karriere als Chirug, der Verlust seiner Hände, die verzweifelte Suche nach Heilung. Ein Ding von 15 Minuten. Man mag sich kaum ausmalen, welchen dramatischen Weg Marvel doch hätte gehen können.

Cumberbatch brilliert in diesen ersten 15 Minuten sogar wirklich. Der gebrochene Mann, dass ist sein Ding. Als Magier performt er nur mehr solide, zwar mit sichtlicher Freude am Spiel, aber ohne große Herausforderung. Mads Mikkelsen als austauschbarer Schurke ist ebenfalls gut, aber chronisch unterfordert. Vielleicht 20 Minuten lang sieht man ihn, in diesen blizt hin und wieder das Potential durch, ein ambivalenter Schurke zu sein. Geopfert wird dieses wieder einmal für den Humor.

Man erwartet nun gar nicht, zu Marvel Filmen einen emotionalen Zugang zu finden, oder auch nur einen Hauch von Ambivalenz zu spüren. Zwar gibt es durchaus Vertreter, die beides liefern, aber diese sind doch eher selten. Das traurige ist, dass bei „Doctor Strange“ durchaus Potential zu erkennen ist, dieses aber geopfert wird, damit das neuste Teil des MCU Puzzles sich gut in das Gesamtbild einfügt. Immerhin, rein technisch gesehen fühlt „Doctor Strange“ sich mehr wie ein Kinofilm an, als die meisten seiner Konsorten.

Nach einem verregneten Freitagnachmittag im Kino sagen zu können: „Doctor Strange war okay“, dass ist ein Lob, dass man dem Film machen kann.

5.0 von 10.0

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