O Brother, Where Art Thou?

„O Brother, Where Art Thou?“ ist die Odyssee in der Coen Fassung. Die Formulierung einer Erwartungshaltung ist dementsprechend schwierig, können die Coens doch sowohl Drama als auch Komödie.

Tatsächlich gehört „O Brother, Where Art Thou?“ eher in letzteres Genre, wobei sowohl Tragik als auch Dramatik Homers‘ Odyssee durchaus passend wiedergegeben werden. Die Coens verkehren diese Dramatik ins Lächerliche, anstelle von trister Tragik bietet sich ein feiner Humor an und das persönliche Schicksal der Figuren wird in zynischer Ironie wiedergegeben. „O Brother, Where Art Thou?“ driftet natürlich nicht in den Pessimismus der Vorlage ab, bleibt immer ein Stück weit „Feel-Good Movie“, aber die schweren Paukenschläge sitzen durchaus.

„O Brother, Where Art Thou?“ stellt dabei immer wieder einen bezug zur Vorlage her, einzelne Charaktere oder Szenarien, ja ganze Dialoge werden übernommen, liebevoll in die verrückte Welt der Coens übertragen. Die Kamera ist in diesem Film gewohnt überragend, die Musik ganz exzellent. Gemeinsam mit Roger Deakins schaffen die Coens Bilder, die durchaus der Odyssee gerecht werden, ohne dabei jemals in ein Spektakel abzudriften. Wo die Odyssee noch voller literarischem Spektakel war, inszenieren die Coens Bilder von einer betörenden Ruhe, wo in der Odyssee noch dramatisch aufgeladene Dialoge vorherrschten, lässt sich bei den Coens feiner (Wort)witz entdecken.

Kriegshelden in der Odyssee, Kleinganoven bei den Coens. Man merkt es schon, Joel und Ethan Coen adaptieren die Odyssee eben nicht nur, sondern entwerfen viel mehr eine fröhliche Antithese. Dabei arbeiten sie stets mit viel Liebe zum Detail, stets mit großer Nähe zur Vorlage.

In der Odyssee sind nun neben den Irrfahrten des Odysseus auch Intrigen und Verrat ein wichtiger Themenkomplex, bei den Coens wird dieser ebenfalls aufgegriffen. Die Verräter sind nun die Politker, die Korrupten und die Rassisten. Anstatt mit Kanibalen sehen die Protagonisten sich mit religiösen Fanatikern konfrontiert.

Die Coens schöpfen aus jeder Situation ihr komisches Potential, führen einen Rundumschlag gegen Politik und Religion aus – ohne dabei jemals ihn verachtende Gefilde abzurutschen. Irgendwie ist bei „O Brother, Where Art Thou?“ eben doch alles ganz liebenswert und gar nicht so schlimm, wie es aussieht. Ein Film zum wohlfühlen eben.

6.0 von 10.0

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