A Most Violent Year

Als Betrachter eines Films verspürt man zumeist eine beinahe kindliche Freude, wenn man einem Idealisten beim Scheitern zusieht.

Doch woher kommt das? Nun, es mag daran liegen, dass der Idealist den eigenen moralischen Werten um ein weites voraus ist und man ihn deshalb gern scheitern sieht, wahrscheinlich liegt es aber eher daran, dass gerade dieses Szenario sich für eine wunderbare Dramatik und Tragik anbietet.

J.C. Chandors Film bietet nun zwar auch durchaus Dramatik und Tragik, hält sich aber inszenatorisch deutlich zurück. Nur sehr selten schwingt einmal ein leichter Pathos durch, häufig bleibt der Film aber eher still und unauffällig. „A Most Violent Year“ gewinnt dadurch furchbar an Authentizität. Ebenfalls schön und anders: Der Idealist scheitert am Ende des Films nicht vollständig. Sicher, Abel Morales muss doch zum Gangster werden, einige Prinzipien über Bord werfen, aber doch darf er sich noch rühmen, ein Stück weit seine moralische Erhabenheit behalten zu haben. J.C. Chandor inszeniert Morales‘ Wandel zum Semigangster sehr feinfühlig.

Der Regisseur präsentiert zunächst den Gegensatz, böses New York, guter Idealist, eine typische schwarz/weiß Zeichnung eben. Chandors Film wird nun immer ambivalenter, je länger er läuft, Idealist und Umwelt nähern sich einander an. Am Ende bleiben Grautöne, ein Happy End, dass einen irgendwie doch deprimiert zurücklässt.

Gestützt wird Chandors Film dabei von einem fantastischen Ensemble, allen voran Oscar Isaac als Abel Morales. Isaac hat ja eine optische Ähnlichkeit zu Al Pacino, lässt sich also gut in einen Gangsterfilm denken. Nun hat Chandors Werk zwar durchaus Ähnlichkeiten zum klassischen Gangsterfilm, die Ambivalenz, Schießereien, Verfolgungsjagden, mafiöse Strukturen, er bleibt aber dennoch immer mehr Personendrama.

 

Gerade diese Rolle füllt Isaac hervorragend aus, den zerschlagenen, am Ende stehenden, verzweifelten Mann. Die kurzen Szenen, in denen er dann tatsächlich „Gangster“ sein darf, sind zwar von der sichtbaren Freude Isaacs, den Badboy spielen zu dürfen, gekennzeichnet, tatsächlich liegt ihm aber die vielschichtig-ambivalente Figur um einiges besser. Isaac könnte auf jeden Fall eine große Zukunft in Hollywood haben. „A Most Violent Year“ zeigt, wie diese Zukunft aussehen könnte.

6.0 von 10.0

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