Das fünfte Element

Apokalyptisches Drama, SciFi-Gaudi oder Actionklamauk, was darf’s sein?

Luc Besson scheint die Beantwortung dieser Frage recht schwer gefallen zu sein, darum enthällt sein Film „Das fünfte Element“ einfach alles. Tatsächlich gestaltet der Film sich dadurch erwartungsgemäß inkonsequent und sequenziell auch inkonsistent, ein Mangel an Qualität lässt sich aber dennoch nicht feststellen.

Besson visualisiert konkret, erzählt stringent und im hohen Tempo. Leider konterkariert er seinen eigenen Film zu häufig, keine seriöse Szene kann stehen gelassen werden, ohne das sie im Nachhinein nicht noch einmal als Aufhänger für einen Witz dient. Der Film wirkt dementsprechend unentschlossen und kann nie die Faszination entfalten, die das Szenario auszuüben in der Lage wäre. Wahre Größe erreicht Bessons Film dann, wenn er sich wahrhaftig und vollständig dem Pathoskino hingibt, leider geschieht dies viel zu selten.

Dazwischen findet man nämlich Blockbusterklamauk, der durchaus charmant und liebenswert ist, aber viel zu selten wirklich filmisch fesselt. Am besten gelingen Besson da noch die Actionszenen, die konkret und wuchtig gefilmt sind. Abseits von diesen bietet „Das fünfte Element“ außer viel Pathos und viel Klamauk nicht viel. Wobei, Besson versucht hier schon, die große Gesellschaftssatire zu schaffen, „Fight Club“ im All sozusagen. Das gelingt auch teilweise, die Charaktere sind herrlich überdreht, gleichzeitig aber auch nervtötend hyperaktiv.

Zwischen diesem schmalen Grat befindet der Film sich ständig auf einem Balanceatk, schrille Überdrehtheit oder doch lächerlicher Nonsens, packende Action oder doch stumpfe Prügelei, ergreifender Pathos oder seichter Kitsch. Irgendwo dazwischen kann sich der Film anordnen lassen, durchaus sympathisch, durchaus unterhaltsam, aber eben auch schrill und abschreckend. Ausgestattet mit viel Liebe zum Detail sind die bunten Welten des Luc Besson dann eben doch leider etwas zu viel des Guten, auch wenn man die Mühen durchaus anerkennen muss.

Interessant ist hierbei Bessons Verständnis des perfekten Menschen, verkörpert von Milla Jovovich. Besson greift hier auf Antike Menschenbilder zurück, Jovovich wird bis zum Anschlag sexualisiert, auf der anderen Seite wird ihr Charakter aber auch als rein dargestellt, moralisch unbefleckt. Die Einheit von Geist und Körper, dass Schöne in Psyche und Physis also.

Hier deutetet sich der Gedanke des visuellen erzählens an, den Besson durchaus aufgreift, aber nicht zu Ende führt. So lässt sich eigentlich auch der Film beschreiben. Ein guter Gedanke, aber nicht bis zum Ende verfolgt.

6.0 von 10.0

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