E.T. – Der Außerirdische

Im Kino geht es immer um den Menschen. Nun gibt es jene Regisseure, die den Menschen der Form unterordnen. Nicolas Winding Refn zum Beispiel. Oder Zack Snyder. Andere Regisseure wiederum ordnen den Menschen der Handlung unter. Christopher Nolan zum Beispiel. Und dann gibt es diese Regisseure, die sowohl Form als auch Handlung dem Menschen unterordnen. James Cameron, Tim Burton und auch Steven Spielberg.

In „E.T.“ ordnet Spielberg nun tatsächlich den ganzen Film seinen Charakteren unter. Die Erzählung des Filmes findet aus der Sicht der Kinder statt, dementsprechend schneidet die Kamera vieles ab, bleibt auf weniges Details zentriert. Dementsprechend sind aber auch die Emotionen deutlich höher. Spielberg trägt hier ganz dick auf, die bösen Erwachsenen stapfen Darth Vadrig durch die Landschaft, die Hochgefühle in Gegenwart E.T.s werden von John Williams phänomenalem Score mit wuchtigem Pathos unterfüttert. „E.T.“ ist purer Eskapismus, ein fluffiger Film, der zugleich zu Herzen geht.

Der namensgebende E.T. Ist sicher das knuddeligste Alien der Filmgeschichte, vergnügt und naiv schaut er drein, mit kindlichem ungeschickt watschelt er durch die Welt. Gleichzeitig ist er aber auch eine gequälte Seele, ein genialer Geist auf einem fremden Planeten. Wenn E.T. Spricht, klingt er erstaunlich schwermütig, erstaunlich melancholisch. So gestaltet sich auch der Film. Eine Coming-Of-Age Geschichte sozusagen, in der der Zuseher den Protagonisten stellt.

Je länger E.T. Andauert, desto bedrückender wird er, desto schmerzhafter wird er. Spielberg lässt in „E.T.“ das Kind in Sich heraus, nimmt den Zuseher mit auf eine fantastische Reise, am Ende des Films muss man aber „Auf Wiedersehen“ sagen. Spielberg behält sich trotz der Tragik immer seine Naivität bei. Hier gibt es zwar die „Bösen“, aber so richtig „böse“ sind sie nicht. Und selbst wenn, können E.T. Und seine Freunde auf dem Fahrrad gen Sonnenuntergang fliegen, und sind so ihren Verfolgern stets einen Schritt voraus. Bei Spielberg ist alles möglich, solange man nur fest genug daran glaubt.

Spielberg verfällt nie in eine zynische Erzählung, auch wenn er durchaus zu Tränen rühren kann. Er bleibt doch lieber der gute alte Optimist, der Idealist, den man so lieben gelern hat. „E.T.“ ist vielleicht sein aufrichtigster Film, da Spielberg hier mit viel Liebe viel Liebe zeigt. Der Film ist so wundervoll ausgestattet, so wundervoll gefilmt, man mag meinen, Spielberg selbst würde zu einem sprechen. Und in gewisser Weise tut er das. Sein Film beginnt sehr schnell, sehr direkt. Er erklärt nicht, woher E.T. Kommt, warum er zurückgelassen wird, warum die Wissenschaftler nach ihm suchen.

Spielberg versucht, den Zuseher zu packen und sofort in die Geschichte mitzunehmen. Bei manchen funktioniert dies. Andere sind emotional wohl so abgestumpft, dass sie Spielbergs Reise in die Kindheit nicht mehr zu begeistern vermag.

9.0 von 10.0

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