Only God Forgives

„Only God Forgives“ – eben nicht!

In Nicolas Winding Refns Geniestreich ist Gott nämlich der Letzte, der vergibt. Nun mag man sich fragen, wo in dem vermeintlich gottlosen Treiben denn Platz für den Allmächtigen wäre. Ähnlich wie bereits in „Walhalla Rising“ ist tatsächlich der brutalste Charaktere des Films der Gottescharakter.

Chan heißt dieser nun in „Only God Forgives“, ein Polizist, der aus dem nichts auftaucht, der rächt, straft, schützt und am Ende auch über Leben und Sterben in Bangkog bestimmt. Refn inszeniert also schon wieder den alttestamentarischen Gott, den strafenden Gott. Nun ist „Only God Forgives“ in gewisser Weise tatsächlich auch eine Fortführung auf „Walhalla Rising“. Beides Formfilme, beide Filme setzen sich mit Gott, Gewalt, Vergebung und Wahn auseinander. Nun gibt es aber, neben dem Setting natürlich, einen ganz großen Unterschied zwischen beiden Filmen.

Sind in „Walhalla Rising“ die Charaktere nämlich noch von Hass erfüllt, sind sie in „Only God Forgives“ leer. Tatsächlich macht das den Film vielleicht sogar zu einer der besten und aufrichtigsten Behandlungen der Gewalt und der Folgen jener, die man in den letzten Jahren im Kino bewundern durfte. Refn erzeugt in diesem Film nämlich keinerlei Emphatie, kein Motiv, keine Begründung. Die Gewalt ist da, sie tritt explosionsartig auf, trifft alles und jeden. Dabei wirken die Charaktere so stumpf, so gelassen, dass man meinen mag, es wäre völliger Alltag.

In „Only God Forgives“ ist jeder Charakter abgestumpft ob der Gewalt, Gott ist nun kein Heiland mehr, wenn es ihn denn gibt, so Refn, muss er in unserer Welt ein Rächer sein. „Only God Forgives“ ist natürlich eine überspitz verzogene Darstellung der Realität, bleibt aber durch seinen ernsten Grundton und seine verstörenden Elemente weit von der Satire entfernt. „Only God Forgives“ ist ein brutaler Blick in die Abgründe des Menschen, ein Film, der einen in einen Strudel aus Gewalt, Tod, Blut, Rache, Ödipus, gestörter Sexualität und Neonfarben zieht.

Refn ist dabei in seiner Gewaltdarstellung so realistisch, gleichzeitig in seiner sonstigen Inszenierung so künstlerisch, dass man sich trotz der Extremität des Films nicht aus seinem Bann entziehen kann. Eigentlich, und daraus ergibt sich dann auch die Komik des Films, macht er sogar alles richtig, wenn man ihn am Ende hasst. Denn Refn führt einem Abgründe vor, die so überspitzt sind, dass man sie nicht glauben mag und gleichzeitig so realistisch sind, dass man erschüttert zusammenbricht.

Ein psychotischer Style over Substance Trip, der sich dann am Ende doch als elegantes Style equals Substance Kino entpuppt und dennoch einen Fokus auf die Form legt. Ein Film voller Wiedersprüche, authentisch, aufregend, grausam und irgendwie auch cool.

7.0 von 10.0

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