Kingsman

Kingsman ist Matthew Vaughns kleines Kabinet der Menschenverachtung, HJ Bewunderung und skurriler Dummheiten.

Kingsman gehört sicherlich zu den am meisten gehypten Filmen des letzten Jahres, und der Ruf ist sicherlich nicht ganz unberechtigt. So ist Kingsman dann doch mit seinem infantilen Humor und seiner unreifen Gewaltdarstellung recht unterhaltsam, auch die Darsteller machen ihre Sache äußerst solide. Leider ist Kingsman schon allein von der Inszenierung derartig uninspiriert und langweilig, audiovisuell so dermaßen austauschbar und ideologisch gesehen auch noch so bedenklich, dass man keinesfalls von einem guten Film sprechen kann.

Die dreckige Ideologie Kingsmans äußert sich in einer Szene des Films ganz besonders gut. „Manieren machen uns zu Menschen“, sagt der von Colin Firth gespielte Charakter in dieser Szene, kurz bevor er eine Gruppe herumpöbelnder Männer zusammenschlägt. Manieren machen uns zu Menschen. Dieser Satz steht sinnbildlich für den gesamten Film, in dem der am Anfang als Untermensch porträtierte Eggsy durch ein deutlich von der HJ Ausbildung inspirierte Training sowohl das Töten als auch Manieren beigebracht bekommt und dadurch erst zum Menschen wird. Mit dem Charakter von Samuel L Jackson wird der faschistoiden Kingsman Bande nun ein Schurke gegenüber gesetzt, dessen Ziel es ist, die sich völlig unmenschlich verhaltende Menschheit zu vernichten.

Nun bietet Kingsman also zwei Fraktionen, die den gemeinen Bürger als Untermenschen betrachten. Bei diesen beiden ideologisch verachtenswerten Gruppierungen ist es dann aber doch interessant zu beobachten, inwiefern die Fraktionen das „Untermenschen Problem“ zu lösen Gedenken. Sam Jackson nämlich will die gesamte Menschheit vernichten, die Kingsmen hingegen selektieren „würdige“ Exemplare aus der Masse um diese in den Status eines „richtigen“ Menschen zu heben.

Welche der beiden Parteien nun die moralisch Erhabenere ist, muss der Zuseher für sich selbst entscheiden, zumindest aber sollte er in der Lage sein, die Verachtenswertheit der Ideologie beider Parteien zu erkennen. Kingsman verschleiert das ganze aber so gut in Blut und Feuerwerk, dass es wohl den wenigsten tatsächlich bewusst wird. Nein, lieber lacht man darüber, dass die Untermenschen ohne Manieren ihre „Gerechte Strafe“ erhalten.

Auf ein nächstes mal mit den Königsmännern? Bitte nicht. Aber vielleicht kommt im Sequel ja die große Reform und der Verein landet endlich in der moderne, lernt endlich das Wort „Menschenrechte“ kennen und trennt sich vielleicht sogar von seinen diktatorischen Grundzügen. Wünschenswert wäre es, denn dem Zuseher noch einmal Menschenverachtung vorzusetzen, sich noch einmal dafür applaudieren lassen, dass wäre ein Armutszeugnis sondersgleichen.

1.0 von 10.0

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