Mr. Holmes

Ian McKellen ist ein hervorragender Sherlock Holmes. Leider ist „Mr. Holmes“ kein hervorragender Sherlock Holmes Film.

Dabei sind die Grundvorraussetzungen eigentlich sehr gut: ein hochtalentierter Cast, eine interessante neue Interpretaion der Sherlock Holmes Figur und eine Fülle an reichhaltigen literarischen Vorlagen. Und nun hat „Mr. Holmes“ auch durchaus spannende Ansätze. Ein Sherlock Holmes, dessen Gedächtnis langsam versagt? Klingt gut. Ein Sherlock Holmes, dessen Freunde alle verstorben sind? Klingt gut. Ein Sherlock Holmes, der sich aufgrund einer Tragödie aus dem Geschäft des Detektivs zurück zieht? Klingt verdammt nochmal sehr gut.

Diese drei Themen, Vergessen, Einsamkeit und Verlust sind die Hauptthemen des Films. Und tatsächlich schafft es der Film teilweise auch, hochemotionale Szenen zu erschaffen. Der interessante Denkansatz des Films ist aber derjenige, der am wenigsten genutzt wird. In einer Szene geht Sherlock Holmes ins Kino und sieht sich einen Spielfilm über einen seiner Fälle an. Wie geht ein Mann damit um, sich selbst überlebt zu haben, sein Vermächtnis bereits bewundern zu können, ohne tot zu sein? In dieser Fragestellung steckt so viel Potential, von dem so wenig genutzt wird.

Generell kann man über den Film sagen, dass er die Ruhe weg hat. Er ist so langsam inszeniert, man könnte meinen, es gehe um nichts. Die monotone Musik, welche mit der Zeit an einen Fahrstuhljingel erinnert, tut ihr übriges. Da geht es in „Mr. Holmes“ eben doch um etwas. Der ganze emotionale Sprengstoff bleibt (beinahe) völlig auf der Strecke, das Gespür für Dramatik darf man völlig vermissen.

Natürlich, es spricht nichts gegen eine entspannte Detetiktivgeschichte. Nur dann müssen Inszenierung und Geschichte im Kontext des jeweils anderen auch passend sein. Bei „Mr. Holmes“ ist dem nicht so. Da der Film sich glücklicherweise Ernst nimmt, driftet man wenigstens nicht in die Lächerlichkeit ab, wobei es diesem Machwerk durchaus gut getan hätte, etwas grotesker zu werden.

Enttäuschen tut ebenfalls der Cast. Ian McKellen spielt zwar phenomenal gut auf, die restlichen Schauspieler geben sich aber eher unmotiviert. Man muss dazu auch zugeben, dass außer dem Sherlock Holmes selber nur äußerst undankbare Rollen im Film vorhanden sind.

Nun, „Mr. Holmes“ ist also ein durchaus ambitionierter Film. Er scheitert aber letztlich an der Umsetzung, die unaufregender und belangloser nicht hätte sein können. Etwas schade ist es um Ian McKellens Performance, die hier verschwendet wird.

4.0 von 10.0

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