The Equalizer

„The Equalizer“ hätte mit leichtigkeit ein herausragender Rachethriller werden können, lässt dann aber leider doch viel zu viel Potential auf der Strecke.

Dabei ist der der Film an sich gar nicht schlecht, er ist sogar sehr gut. „The Equalizer“ ist natürlich im Kern der typische „alternder Held bekämpft großes Böses um unschuldiger Person zu helfen“ Plot, natürlich will Denzel Washington das alles eigentlich gar nicht und natürlich er auch ein großer Menschenfreund, der sich nur in den Methoden vergreift.

„The Equalizer“ denkt diese Ansätze aber zumindest konsequenter weiter als die ganzen „Taken“s und „John Wick“s und wie sie alle heißen mögen. So lernt man den Gleichmacher eben als Menschenfreund kennen und er hat wirklich keine Lust auf die Gewalt. Denzel Washington verkörpert dies auch wunderbar, er überzeugt in den Actionszenen, hat aber nie dieses eiskalte, was vielen anderen Actiondarstellern anhaftet. Er sieht immer sehr traurig aus, erschütter über das, was er tut. Regisseur Fuqua fokussiert sich bei der Inszenierung häufig auf Washingtons Augenpartie und schafft es dadurch, seine innere Zerrissenheit, seine trauer über das, was er tut, ohne Worte auf die Leinwand zu bannen. Immerhin etwas.

Was „The Equalizer“ ebenfalls interessant macht ist, dass es sich bei ihm mehr um einen Slasher als um einen konventionellen Actionthriller handelt. Die Actionszenen erinnern schon stark an die nach dem „10 kleine Jungs“ funktionierenden Splatter Filme der 2000er. Der große Unterschied zu diesen ist, dass „The Equalizer“ nicht aus der Sicht der Opfer, sondern aus der Sicht des Täters geschildert wird.

Wobei, Opfer und Täter in „The Equalizer“ sich sowieso nicht so genau bestimmen lassen. Sicher, Denzel Washington ist der Gute und die Russen sind die Bösen, aber so einfach will der Film dann doch nicht funktionieren. Durch die krasse Gewaltdarstellung darf man nämlich schon diese Rollenverteilung hinterfragen, durch die verwendeten Stilmittel des Slasher-Films tauschen Washington und die Russen zumindest Sequenziell sowieso die Seiten.

„The Equalizier“ beschwört durch seine Inszenierung eine Ambivalenz herauf, die er inhaltlich in der Form leider nicht hat. Sicher, der Equalizer guckt beim töten traurig aus der Wäsche, aber sobald er mit eben jenem fertig ist, wendet er sich ab, ohne nach hinten zu sehen. Am Ende wählt er die Position des Gleichmachers, desjenigen, der die Schwachen rächt, als eine Art Beruf, beginnt, seine grausame Gerechtigkeitsvorstellung als Beruf zu sehen.

Fuqua inszeniert seinen „Equalizer“ eigentlich sehr stark, mit sehr wenig Pathos, sodass weder eine Verherrlichung noch eine Verteufelung des gezeigten auftritt, eben eine Ambivalenz erzeugt wird. Dieses Ende allerdings muss dann doch noch einmal pathetisch zelebriert werden. Der Equalizer hat seine Bestimmung gefunden, und diese ist es, dass im Film eigentlich doch so schön kritisch beleuchtete Werk, fortzusetzen.

6.0 von 10.0

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