In Fear

„In Fear“ versetzt seine Protagonisten in Ansgt und den Zuseher im besten Fall gleich mit.
Der Film nutzt sein Szenario voll aus, sicher, den irischen Wald hat man schon oft genug im Horrorfilm gesehen und die Todesfalle Auto ebenso, „In Fear“ perfektioniert besonders letzteres aber ganz wunderbar. Die Kamera filmt meistens aus dem Auto heraus, bleibt direkt bei den Gesichtern der Protagonisten. Das Sichtfeld des Zusehers ist ähnlich eingeschränkt wie das der Hauptcharaktere und er fühlt sich wie ein weiterer Passagier im Auto.

Der Film spielt geschickt mit der Angst seiner beiden Hauptcharaktere und lässt einen lange Zeit darüber im unklaren, ob nun das Böse ein Mensch oder etwas übernatürliches ist. Die psychologische Anspannung der Charaktere wird sehr gut eingefangen, langsame Zweifel kommen auf. Sitzt das Böse nicht doch auf dem Rücksitz oder gar direkt neben einem? An alle Autofahrer unter uns, überlegt euch gut wen ihr das nächste mal mit in den Wagen nehmt.

„In Fear“ ist erstaunlich ruhig erzählt, auf seine knappen 81 Minuten Laufzeit lässt der Film auch gerne mal 20 Minuten ohne Schockmoment auskommen. Glücklicherweise verzichtet der Film auch zu großen Teilen auf den Jump Scare, kein Geist oder Mörder oder sonstiges springt laut kreischend hinter einer Ecke hervor und schreit dem Zuseher „Erschrecke dich, bitte, bitte, hab Angst!“ ins Gesicht. Sicher, taucht ab und zu eine mysteriöse Gestalt, begleitet von lauten Tönen die sich Musik nennen, auf, aber auch diese Momente werden furchtbar ruhig eingefangen und aufgebaut.

„In Fear“ ist keine Reizüberwaltigung und das ist auch gut so. Manchmal gibt sich dieser Horrorfilm sogar etwas unterwältigend, wenn das Böse, begleitet von ruhiger, aber unangenehmer Musik, regungslos im Bildrand verharrt. Einem unaufmerksamen Zuseher entgeht dies leicht. „In Fear“ verzichtet auf „positive“ Reize in Form von Jump Scares und expliziter Gewalt, baut seine Spannung langsam und unberechenbar auf.

Der ganz große Wurf im Bereich des Indiehorrors bleibt dann doch aus, auch wenn dieses Kammerspiel doch ganz spannend ist. Denn „In Fear“ verliert gegen Ende doch noch den Mut, auf die letzte Viertelstunde hätte man gerne verzichten können. In diesen muss „In Fear“ dann doch noch in die typische Teenie Horror Seifenoper abdriften und ein beinahe Happy End bieten. Sicherlich sind auch diese 15 Minuten besser als vieles andere, was man im modernen Horrorfilm zu Gesicht bekommt, aber benötigt hätte sie keiner.

Trotzdem ist „In Fear“ ein interessanter Film, eine kleine Genreperle, für die man etwas Geduld mitbringen muss und vor allem aber wirklich das Bedürfnis, einen Film aktiv zu sehen und nicht nebenbei laufen zu lassen. Dann kann man auch so etwas wie Angst haben.

6.0 von 10.0

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