Verräter wie wir

„Verräter wie wir“ darf man durchaus skeptisch gegenüber stehen, handelt es sich doch um eine Amazon Prime Produktion. Tatsächlich aber handelt es sich bei Susanna Whites Thriller um einen sehr gelungenen Film.

Die John Le-Carré Adaption ist spannendes Spionage Kino, weit entfernt von den Actioneskapaden eines James Bond und eher in der Realität verankert. Die Spannung des Films ergibt sich dabei aus den Figuren heraus, die allesamt authentisch und symphatisch agieren. Auch die Schauspieler machen ihre Sache gut, Ewan McGregor ist wie immer symphatisch, Stellan Skarsgard überzeugt durch seine vielschichtige Darstellung.

Heimlicher Star des Films ist Damian Lewis als Geheimdienstler. Seine Performance überrascht insofern positiv, als das man in ihm in seiner doch recht simpel wirkenden Rolle kein derart facettenreiches Schauspiel zugetraut hätte. Generell betrachtet sind die Figuren in „Verräter wie wir“ nahezu alle Idealisten, die aus dem tief menschlichem Gedanken, eine Gruppe Menschen retten zu müssen, handeln. Beim sich daraus ergebendem Drama der einzelnen Charaktere sind es besonders die Figuren des Stellan Skarsgard und die des Damian Lewis, die sowohl innere als auch äußere Konflikte tragen müssen.

Ewan McGregor fällt da trotz seines überzeugenden Schauspiels leider etwas ab, sein Charakter bekommt nicht das benötigte Profil. „Verräter wie wir“ ist ein sehr ruhiger und unspektakulär inszenierter Film. Diese unaufregende Inszenierung ist für den Film Fluch und Segen zugleich. So kommt sie der Spannung durchaus zu gute, durch den leicht monotonen Stil werden Ereignisse unvorhersehbarer, kommende Wendungen deuten sich nicht im Bild an. Als Zuseher traut man dem Film dadurch alles zu. Auf der anderen Seite wird die Chance verpasst, die Geschichte filmisch zu erzählen, die Figuren durch die Bildsprache mehr Tiefe zu verleihen.

Die Inszenierung ist flach, aber zweckmäßig. Böse Zungen könnten dies auch über den Film ansich sagen, nutzt er doch weder die politische Brisanz die er hat, noch seine filmischen Möglichkeiten voll aus. Auf der anderen Seite ist „Verräter wie wir“ aber gutes, figurenbasiertes Spannungskino. Nach „Bridge of Spies“ nun schon der nächste unaufgeregte Spionage Film. Vielleicht enwickelt sich daraus ja jetzt ein neuer Trend. Wünschenswert ist es.

6.0 von 10.0

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