Alien

Bei der Sichtung des Films „Alien“ fühlt man sich unweigerlich unwohl in seiner Haut. Ridley Scotts Film übt eine verstörende Faszination auf den Zuseher aus, ist in seiner Einfachheit besonders schockierend. Das Alien tötet Menschen. Ein Satz, der den Inhalt des Films wunderbar wiedergibt. Warum also verstört Ridley Scotts Film so sehr?

„Alien“ ist eine Vergewaltigung. Nicht zwingend der Sinne, auch wenn dies natürlich durchaus zutreffen würde, setzt das Finale des Films doch auf den Einsatz unangenehmer Töne und stroboskopischem Lichts. Nein, „Alien“ ist auf subtextueller Ebene betrachtet tatsächlich eine Vergewaltigung. So ist das Alien in seinem Design doch deutlich an ein Phallussymbol angelehnt, aber auch die Fortpflanzung des Aliens erinnert an eine menschliche Schwangerschaft. So wird doch der Wirt befruchtet, ebenfalls mit einem dem Phallus ähnlichem Gliedmaß, danach nistet sich in seinem Bauch der Embryo ein. Dies klingt erstaunlich vertraut. Sowohl die Befruchtung als auch die Geburt sind in „Alien“ allerdings mit Gewalt verbunden, ähnlich einer Vergewaltigung.

Dieser sexuelle Subtext trägt ganz viel zum Horror „Alien“s bei. Der Film spielt mit der Angst vor dem Unbekannten, der Zuseher wird mit einer fremden Kreatur von einer fremden Welt konfrontiert. Allerdings erkennt er im Subtext viel wieder, so dass sich diese beiden Eindrücke vermengen. Das Monstrum des Films ist eine unbekannte Konstante und gleichzeitig seltsam vertraut. Aus diesem Gegensatz ergibt sich die verstörende Faszination, die das Alien auf den Zuseher ausübt. Dieser Gegensatz zwischen Altbekannt und fremdheit findet sich auch im Design des Aliens wieder, so ist es in seiner Gesamtheit doch etwas in der Form nie gesehenes, partiell erinnern aber viele Teile des Aliens an Phallussymbole und wirken deshalb wieder vertraut.

Auf inhaltlicher Ebene betrachtet ist „Alien“ dann beinahe eine Antithese zu Stanley Kubricks „2001“. In „2001“ ist das All steril, unter den Mitgliedern der Crew eines Raumschiffes gibt es keinen Konflikt. Ridley Scott geht in eine Entgegengesetzte Richtung, in seinem Film ist das All schmutzig, die Crew konfliktbeladen. „Alien“ gewinnt dadurch ganz viel an Authentizität. Natürlich stellen auch beide Filme den Kontakt mit außerirdischem Leben auf unterschiedliche Weise dar. In „2001“ wird außerirdisches Leben, dargestellt in Form des Monolithen, auf friedliche Weise dargestellt. Die Lebensform wird nie konkret visualisiert, sie scheint aber intelligent und dem Menschen wohl gesonnen zu sein. Auch hier geht „Alien“ in die Gegensätzliche Richtung, Ridley Scott inszeniert sein Monstrum konkret, es ist weder dem Menschen wohl gesonnen noch scheint es über einen Intellekt zu verfügen. Das Alien ist triebgesteuert, wie ein Sexualstraftäter es übrigens auch manchmal ist.

Inszenatorisch haben beide Filme dann mehr gemein als man allgemein glauben mag, allerdings schlägt „Alien“ thematisch natürlich eine andere Richtung ein, weshalb sich hier der Vergleich weniger stark als beim Inhalt aufzwingt. „Alien“ ist sehr ruhig und erhaben gefilmt, die Spannung wird langsam aufgebaut. Aufgrund der klaustrophobischen Gestaltung des Schiffes hat der Film von Anfang an eine beklemmende Grundstimmung, die durch den langsamen Aufbau einer Szene noch verstärkt wird.

„Alien“ war anno 1979 nach John Carpenters „Dark Star“ einer der ersten „Dark and Gritty“ Weltraumfilme und ist deshalb aus allein Filmhistorischers Sicht absolut sehenswert. Dank des reichen Subtextes und der hervorragenden Inszenierung hat „Alien“ seinen stellenwert im Science-Fiction Genre allerdings immer noch nicht verloren. Der Film gehört immer noch zu den besten seines Genres und vielleicht sogar zu den besten überhaupt.

10.0 von 10.0

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s