Unter dem Sand

„Unter dem Sand“ ist ein Film über den zweiten Weltkrieg, der die Deutschen in die Opferrolle rückt. Der Film setzt nach der Niederlage Deutschlands ein, direkt nach der Befreiung des besetzten Dänemarks. Die Deutschen sind auf dem Abzug.

Einer von ihnen trägt eine dänische Flagge bei sich. Der Protagonist des Films, Rasmussen (Grandios: Roland Møller), schlägt auf diesen Deutschen ein. Er schreit ihm seinen Hass ins Gesicht. In der ersten Szene des Films wird ein Opfer zu einem Täter. Rasmussen, der die Deutsche Besatzung miterleben musste, wird selber zum Täter. Er vergreift sich an einem wehrlosen, vielleicht einem Unschuldigen. Der Zuseher wird über die Vergangenheit der Charaktere des Films im unklaren gelassen, es wird kaum Exposition betrieben.

So weiß man nicht, was die Jugendlichen Protagonisten verbrochen haben oder was Rasmussen angetan wurde. Was der Zuseher weiß, ist das Rasmussen den ehemaligen Feind hasst. Doch was treibt einen Mann zu solchem Hass?  Regisseur Zandvliet setzt hier das Wissen der Zuseher heraus, er erwartet, dass jeder, der seinen Film sichtet über die Ereignisse des zweiten Weltkrieges Bescheid weiß. „Unter dem Sand“ zeigt einen traumatisierten Charakter, Rasmussen. Warum er jedoch traumatisiert ist, ist nicht wichtig.

Wichtig ist sein Weg zurück aus dem Krieg in die menschlichkeit. Zandvliet erzählt Rasmussens Geschichte sehr feinfühlig, der langsame Wandel des Charakteres vom Deutschen-Hasser zurück zum Menschenlieber wird nachvollziehbar dargestellt. Doch natürlich bearbeitert Zandvliet auch eine andere Thematik. Es geht um eines der größten dänischen Kriegsverbrechen. Nach dem zweiten Weltkrieg mussten jugendliche Deutsche, Hitlers letztes Aufgebot, die deutschen Mienen an den dänischen Stränden entfernen.

In „Unter dem Sand“ sind es 14 Jugendliche, die Rasmussen unterstehen und die Mienen entschärfen müssen. Auch diese Charaktere bekommen keinen Background von Zandvliet spendiert, es geht nur um ihr aktuelles Leiden. Sie müssen die Mienen entschärfen.

„Sie sind alt genug um in den Krieg zu ziehen, also können sich auch den Müll entsorgen“, rechtfertigt ein dänischer Offizier dieses Gräuel. Die psychische Anspannung der 14 Jugendlichen überträgt sich dabei auch auf den Zuseher. Zandvliets Inszenierung ist nervenzerreissend gut. Sehr trocken, mit der Kamera immer direkt dabei, kaum Musik. Ebenso wirkungsvoll setzt Zandvliet das harte Regiment Rasmussens um, der sich erst langsam wandelt. Langsam erkennt er, dass die Jugendlichen nur Kinder sind, die nichts für die Untaten ihrer Väter können.

Es erfolgt eine langsame Annäherung, doch es gibt immer wieder Rückschläge, immer wieder verfällt Rasmussen in alte Verhaltensmuster zurück. Es ist ein steiniger Weg zurück in die menschlichkeit, dass macht Zandvliet klar.

„Unter dem Sand“, dass ist ein starker Film. Er ist stark inszeniert, er ist gut gespielt und recht intelligent verfasst. Tatsächliche größe erreicht aber besonders dann, wenn Rasmussen Mensch sein darf, wenn anstatt der nervenaufreibendend Spannung Momente voller Menschlichkeit in den Vordergrund rücken. Ein großer Antikriegsfilm, der differenziert, ambivalent und vor allem menschlich erzählt wird, von Schuld und Sühne handelt, von Grausamkeiten erzählt, der aber am Ende immer eines in den Vordergrund stellt: Mensch sein.

8.0 von 10.0

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