Avatar

Sieht man sich James Camerons Werk an, so fällt eine Tatsache auf: Die Filme beginnen mit Zerstörung und Enden mit eben jener. Dazwischen findet ein mal mehr, mal weniger ausgeprägter Schöpfungsprozess statt. In „Avatar“ ist dies nun anders. Vielleicht ist es deshalb auch der erhlichste Film Camerons, zumindest ist es aber ein sehr aufrichtiger.

Denn „Avatar“ beginnt mit Schöpfung und endet mit derselbigen. Nun findet dann dazwischen die Zerstörung statt. Das ist insofern interessant, als das es sich beim künstlerischen Schaffungsprozess eines Kreativen der Marke Cameron doch recht ähnlich zugehen dürfte. „Avatar“ ist aber natürlich mehr, es ist eine große Hommage an die von Cameron heiß geliebte Tiefsee, an das Unbekannte, an den Entdecker, an den Forschergeist. Eine Ode an die Natur, an die Liebe, ein Epos gegen den Krieg, die Zerstörung. Ein kreatives Stück Kino, geistreich und voller Phantasie. „Avatar“ ist gespickt mit famosen visuellen Ideen, Cameron erschafft eine neue Welt, Cameron beherrscht diese Welt.

Er selbst bezeichnete sich einst als König der Welt und mit „Avatar“ untermauert er diesen Status. Camerons großes Aufbegehren gegen die Blockbusterkultur, deren Vater er sich zusammen mit George Lucas und Steven Spielberg nennen darf, ist gleichzeitig eine große Liebeserklärung an den klassischen Blockbuster. An den Film, der erlebt und nicht nur konsumiert wurde. Einmal mehr ernennt Cameron das Kino für sein Eigentum, und für eine kurze Zeit ist es das auch. „Avatar“ ist eigentlich schon wieder vergessen, und dennoch der erfolgreichste Film aller Zeiten. Denn es ist das Gefühl, Kino zu erleben, dass Cameron hier beschert.

Das Erlebnis zieht den Zuseher in seinen Bann, leider nur kam Avatar viele Jahre zu spät. Dieser Film reiht sich nahtlos in die Reihe der Blockbuster ein, die nicht nur konsumiert, nicht nur gesehen, sondern wahrhaft erlebt wurden. Blockbuster der Marke „Star Wars“, der Marke „Alien“. Deshalb der Erfolg: Der Zuseher darf wieder spüren, was Kino heißt. Deshalb das vergessen: Wird man nicht regelmäßig an dieses Gefühl erinnert, so verblasst es, so lässt man sich wieder auf den nächsten Stangenblockbuster ein.

Einen Film wie „Avatar“ braucht das Kino nun mehr denn je zuvor. Denn richtigen Pathos, richtige Phantasie, richtige Liebe lassen aktuelle (Mega)Filme leider vermissen. Deshalb sollte man sich noch einmal mit Cameron gemeinsam die Büchse der Pandora öffnen, den Schwall an Emotionen über sich ergehen lassen und danach zufrieden grinsend das Abspielgerät ausschalten. Man darf die Augen schließen, die gewaltigen Landschaften noch einmal vor dem inneren Auge abspielen, James Horners bombastischen Soundtrack im Hinterkopf behalten und vielleicht, aber auch nur vielleicht, schafft man es, dieses Gefühl von Kino einzufangen. Bis zum nächsten mal, James Cameron. Ich werde da sein.

8.0 von 10.o

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